Lübecker Altbischof Wilckens stirbt mit 93 Jahren

Lübecker Altbischof Wilckens stirbt mit 93 Jahren

Der Lübecker Altbischof Ulrich Wilckens ist tot. Er starb mit 93 Jahren am Montag in Bad Oldesloe, wie die evangelische Nordkirche am Mittwoch mitteilte. Wilckens war von 1981 bis 1991 Bischof in der damaligen Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, die 2012 in der Nordkirche aufgegangen ist. Nordkirchen-Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt würdigte Wilckens als streitbaren Theologen, den "eine tiefe persönliche Frömmigkeit prägte" und dem die ökumenische Verständigung ein Herzensanliegen gewesen sei.

Bekannt wurde Wilckens unter anderem durch seine auflagenstarke Übersetzung des Neuen Testaments und seine Predigt zur Trauerfeier für den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel (CDU) im Jahr 1987. Er lebte lange in Lübeck und publizierte auch im hohen Alter noch theologische Beiträge.

Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, sagte, die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und kirchlicher Praxis habe Wilckens Werk in besonderer Weise ausgezeichnet. "Bis zuletzt beobachtete Bischof Wilckens Kirche und Welt mit großer Aufmerksamkeit."

Wilckens wurde am 5. August 1928 in Hamburg geboren. Während des Krieges zog seine Mutter mit den Kindern nach Hinterzarten im Schwarzwald. 1944 wurde er mit 16 Jahren noch als Soldat eingezogen und überlebte einen Panzerangriff. Nach Stationen an den Universitäten Tübingen, Heidelberg und Marburg wurde er 1960 Professor für Neues Testament an der Kirchlichen Hochschule Berlin.

1968 wechselte er an die Universität Hamburg, bevor er 1981 zum Lübecker Bischof gewählt wurde. Nach einer schweren Krebserkrankung trat er 1991 in den Ruhestand. Als Pensionär publizierte er die sechsbändige "Theologie des Neuen Testaments", die er auch als sein theologisches Vermächtnis betrachtete.

Wilckens zählte zum konservativen Flügel der evangelischen Kirche und meldete sich immer wieder kritisch zu Wort. Abtreibungen, die Segnung homosexueller Paare und die "Bibel in gerechter Sprache" lehnte er strikt ab. Er kritisierte, die Kirche würde sich heute zu sehr dem Zeitgeist anpassen und die geistliche Tiefe vernachlässigen. Notwendig sei eine "Revitalisierung des Glaubens".