Afghanistan: Hilfsorganisationen kritisieren deutsche Aufnahmepolitik

Afghanistan: Hilfsorganisationen kritisieren deutsche Aufnahmepolitik

Hilfsorganisationen und Kirchenvertreter dringen auf deutlich mehr Anstrengungen der Bundesregierung bei der Aufnahme gefährdeter Afghaninnen und Afghanen in Deutschland. Joshua Hofert von "terre des hommes" sprach in Berlin von einer gegenwärtigen "Verantwortungsdiffusion" und einer "Blockadesituation". Beim Umgang mit schutzbedürftigen Personen behinderten teils zufällige Fristen und Obergrenzen der Bundesregierung humanitäre Entscheidungen.

So sei teilweise nicht mal den Betroffenen selbst bekannt, ob sie auf Evakuierungslisten stünden. "Terre des hommes" und weitere Hilfsorganisationen hätten in den vergangenen Wochen eine große Zahl schutzbedürftiger Menschen benannt, die in Afghanistan durch das Taliban-Regime bedroht seien und denen schnellstmöglich eine Aufnahme ermöglicht werden müsse. Viele Gefährdete säßen aber weiterhin in Afghanistan fest, ihre Perspektiven seien unklar.

Auch Matthias Lehnert vom Republikanischen Anwältinnen- und Anwälteverein sprach von einem Chaos, das politisch gewollt erscheine. Dabei schließe sich "das Fenster der Möglichkeiten" bei der Hilfe für Afghaninnen und Afghanen. Nötig seien geordnete Verfahren statt zufälligen und willkürlichen Hilfen, mahnte Lehnert.

Bischof Christian Stäblein von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz setzte sich für erweiterte Hilfszusagen und die Einhaltung gegebener Versprechen ein, um eine humanitäre Katastrophe in Afghanistan abzuwenden. Auch die Landeskirche sammele etwa über das Berliner Missionswerk Namen von Menschen, die aus humanitärer Sicht evakuiert werden müssten. Die öffentliche Aufmerksamkeit für die Notlage von Afghaninnen und Afghanen dürfe jetzt nicht im Umfeld der Bundestagswahl nachlassen, mahnte der Berliner Bischof.