Studie: Insbesondere Frauen profitieren von höherem Mindestlohn

Studie: Insbesondere Frauen profitieren von höherem Mindestlohn

Von einem Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde würden laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung vor allem weibliche Beschäftigte profitieren. Das gelte insbesondere, wenn Frauen in Teilzeit arbeiten oder einen befristeten Arbeitsvertrag haben, teilte die gewerkschaftsnahe Stiftung am Freitag in Düsseldorf mit. Beschäftigte in kleineren Betrieben ohne Tarifbindung zählten ebenfalls zu den Hauptbegünstigten.

Unter den 50 Berufen, auf die eine Mindestlohn-Anhebung auf zwölf Euro die stärkste Wirkung hätte, finden sich auf den vordersten Plätzen demnach Tätigkeiten wie Friseur/-in, Bäckereifachverkäufer/-in und Florist/-in. Die Studienautoren weisen darauf hin, dass ein höherer Mindestlohn auch mehr Geld für Beschäftigte jenseits von Branchen mit traditionell vielen Niedriglohn-Beschäftigten wie dem Gastgewerbe oder dem Einzelhandel bedeute. Beispiele seien Beschäftigte in Arztpraxen, Anwaltskanzleien und Büros privater Unternehmen. Auch für beliebte Ausbildungsberufe wie Rechtsanwaltfachangestellte/r, Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r und Kfz-Mechatroniker/in bestehe ein erhöhtes Risiko für einen Lohn unter zwölf Euro, hieß es.

Als Ursache identifiziert die Studie den starken Rückgang der Tarifbindung von 68 Prozent zur Jahrtausendwende auf 51 Prozent im Jahr 2020. "Deshalb würden heute auch viele Menschen von einem höheren Mindestlohn profitieren, die früher aufgrund ihrer soliden Ausbildung wie selbstverständlich zur Mittelschicht gezählt hätten", sagte Studienautor Malte Lübker.

Im regionalen Vergleich kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass vor allem Beschäftigte in Ost- und Norddeutschland von einem höheren Mindestlohn profitierten. Besonders hoch ist das Risiko für niedrige Löhne demnach in Sachsen-Anhalt. Auf die anderen ostdeutschen Bundesländer folgten Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Für die Studie sind die Gehaltsangaben von fast 200.000 Beschäftigten aus dem stiftungseigenen Gehaltsportal "Lohnspiegel.de" ausgewertet worden. Als Faktoren, die das Risiko für einen Lohn unter zwölf Euro deutlich erhöhten, identifizieren die Autoren das weibliche Geschlecht, eine Tätigkeit in Teilzeit, befristete Arbeitsverträge, Arbeitgeber ohne Tarifbindung, Betriebe mit weniger als hundert Beschäftigten sowie Helfer- und Anlern-Tätigkeiten.

In ihrem Programm zur Bundestagswahl fordern Bündnis 90/Die Grünen und die SPD den gesetzlichen Mindestlohn auf zwölf Euro zu erhöhen. Die Linke will den Mindestlohn auf 13 Euro anheben. Derzeit liegt er bei 9,60 Euro pro Stunde und steigt bis 1. Juli nächsten Jahres auf 10,45 Euro.