Care: Fehlberechnungen bringen Impfkampagne im Südsudan ins Stocken

Care: Fehlberechnungen bringen Impfkampagne im Südsudan ins Stocken

Bonn (epd). Die Hilfsorganisation Care kritisiert eine mangelhafte Planung und Umsetzung bei den Corona-Impfungen im Südsudan. Aufgrund von Fehlberechnungen der internationalen Impfkampagne Covax seien 72.000 für das Land vorgesehene Impfdosen zurückgegeben sowie 60.000 abgelaufene Impfdosen vernichtet worden, teilte Care am Donnerstag in Bonn mit. „Es ist inakzeptabel, dass die Impfstoffe, die im Südsudan dringend gebraucht werden, nicht bei den Menschen ankommen“, sagte der Care-Nahrungs- und Gesundheitskoordinator im Südsudan, Emmanuel Ojwang.

Ursache für die Probleme sind laut einer Care-Studie, dass Covax die Kosten für die Bereitstellung der Corona-Vakzine, Logistik und Gesundheitspersonal deutlich unterschätzt habe. Während Covax mit rund 3,16 Euro pro Person für den vollen Impfschutz gerechnet habe, beliefen sich die tatsächlichen Kosten im Land auf rund 18,95 Euro pro Person. Die Impfkosten lägen also sechs Mal höher als geplant. Aufgrund dieser immensen Diskrepanz hätten die Impfdosen nicht verabreicht werden können.

Wegen dieses Fehlers werde es nun schwer, eine effiziente Impfkampagne umzusetzen. „Nur mit ausreichender finanzieller Unterstützung kann gewährleistet werden, dass wir die Covid-19-Pandemie stoppen und die Verbreitung von neuen Virusvarianten im Südsudan reduzieren“, sagte Gesundheitskoordinator Ojwang.

Länder wie der Südsudan, der ohnehin über ein sehr fragiles Gesundheitssystem und eine starke Impfskepsis verfügt, müssten für ihre Impfkampagne besonders unterstützt werden, hieß es weiter. Im Falle des Südsudans erfordere dies allein Investitionen in Höhe von 54 Millionen Euro für die Logistik.

„Bei der Verteilung der Impfdosen muss zudem sichergestellt werden, dass Frauen und Männer gleichermaßen berücksichtigt werden“, betonte Ojwang. Obwohl 70 Prozent des Gesundheitspersonals weiblich seien, würden Frauen bei der Verteilung der Impfstoffe benachteiligt. Dies liege vor allem an einer Kombination aus sozialen Normen sowie dem unbegründeten Gerücht, dass Frauen durch eine Impfung unfruchtbar würden. Hier müssen nach Ansicht von Care dringend Mobilisierungs- und Aufklärungskampagnen gestartet werden, um diese Barrieren zu überwinden.