Forderungen nach mehr Anreizen fürs Impfen

Forderungen nach mehr Anreizen fürs Impfen
Politiker und Forscher schlagen Werbung oder gar Belohnungen vor
Impf-Partys mit Grillwürstchen oder gar Geldzahlungen an Geimpfte? Politiker und Forscher setzen auf positive Anreize, um Skeptiker für die Corona-Impfung zu gewinnen.

Politiker und Forscher fordern mehr Werbung und positive Anreize, um Skeptiker für eine Corona-Impfung zu gewinnen. Die bisherige Kampagne der Bundesregierung reiche nicht aus, sagte der Fraktionsgeschäftsführer der Linkspartei im Deutschen Bundestag, Jan Korte, dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland" (Samstag). "Die Bundesregierung hat zu wenig getan, um das Impfen gegen COVID-19 zu einer Selbstverständlichkeit zu machen", heißt es in einem Konzeptpapier Kortes für einen "Impfsommer 2021", das dem RedaktionsNetzwerk (RND) vorliegt.

Der Linken-Politiker fordert darin die Regierung auf, gesellschaftliche Akteure wie Gewerkschaften, Sportverbände und Glaubensgemeinschaften, aber auch Clubs und Kultureinrichtungen in eine gemeinsame Impfkampagne mit einzubeziehen. "Es muss darum gehen, die Leute für eine Impfung zu gewinnen, die sich nicht ausreichend informiert fühlen und Ängste haben, die man ihnen nehmen kann."

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland unterstrich, zwei Drittel der Moscheegemeinden in Deutschland böten vor allem an Wochenenden Impfaktionen an. "Die Resonanz, auch in der nichtmuslimischen Nachbarschaft der Gotteshäuser, ist hoch", sagte der Vorsitzende, Aiman A. Mazyek, dem RND. Zugleich rief er die Muslime auf, sich impfen zu lassen.

Der Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow hält eine gezielte Werbung für sinnvoll, um Unentschlossene für eine Corona-Impfung zu gewinnen. "Jetzt muss - wie in der Fernsehwerbung - das Belohnungssystem der Menschen angesprochen werden", sagte er der "Bild"-Zeitung (Samstag). "Warum keine Impf-Partys veranstalten, bei denen eine tolle Band spielt, wo es vielleicht eine Lotterie und Grillwürstchen gibt?"

Die Karlsruher Wirtschaftswissenschaftlerin Nora Szech plädiert dagegen für eine finanzielle Zahlung an Geimpfte. Sie glaube nicht, dass niedrigschwellige Impfangebote und Informationskampagnen ausreichen, um mehr Menschen zum Impfen zu motivieren, sagte die Ökonomin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) dem RND. "Das hat in keinem Land ausgereicht."

Szech fordert stattdessen, dass Menschen Geld für die Impfung bekommen sollten. "In unseren Studien steigt die Impfbereitschaft von knapp 70 Prozent ohne Impfbonus Richtung 80 Prozent, wenn 100 Euro gezahlt werden. Für 500 Euro geht die Impfbereitschaft sogar Richtung 90 Prozent."

Auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, rief eindringlich zum Impfen auf. "In der Tat sind wir momentan in einem Wettlauf zwischen Impfdurchdringung und neuen Virusvarianten. Es ist ja nicht gesagt, dass Delta die letzte ist", sagte Russwurm im Interview der Woche im Deutschlandfunk (Sonntag): "Und der einzige Weg, der für mich plausibel erscheint - und ich habe auch noch keinen anderen Vorschlag von Wissenschaftlern gehört - ist: impfen, impfen, impfen." Er sei allerdings kein Fan vom Schlagwort Impfpflicht, fügte Russwurm hinzu.