Tweet von Ex-AfD-Landeschef Junge beschäftigt Partei und Polizei

Tweet von Ex-AfD-Landeschef Junge beschäftigt Partei und Polizei

Der rheinland-pfälzische AfD-Landesverband will seinen früheren Vorsitzenden Uwe Junge wegen eines homophoben Tweets zur Rede stellen. Der Vorstand werde sich auf seiner nächsten Sitzung mit dem Fall befassen, erklärte der amtierende Landes- und Landtagsfraktions-Chef Michael Frisch am Montag. Auch Polizei und Staatsanwaltschaft haben mittlerweile Ermittlungen aufgenommen und prüfen, ob Junges Äußerungen vom Wochenende strafrechtlich relevant sind.

Der frühere Bundeswehroffizier hatte auf Twitter in einem später gelöschten Beitrag seinen Unmut über Pläne geäußert, das Münchener Olympia-Stadion vor dem Länderspiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben zu beleuchten. Außerdem warf er Mannschaftskapitän Manuel Neuer vor, dieser trage "die Schwuchtelbinde statt unserer Nationalfarben". Am Sonntag entschuldigte er sich für seine Wortwahl, erklärte aber, in der Sache halte er seine Kritik aufrecht.

Auch AfD-Landeschef Frisch sprach sich gegen eine "Politisierung des Sports" durch den Deutschen Fußballbund (DFB) aus. Junges Wortwahl sei allerdings "verletzend und herabwürdigend gegenüber einer ganzen Gruppe von Menschen und daher völlig inakzeptabel". Die AfD habe viele homosexuelle Mitglieder und mit Alice Weidel eine Spitzenkandidatin, die in einer lesbischen Beziehung lebt: "Das zeigt, dass diese Menschen in unserer Partei selbstverständlich den gleichen Respekt und die gleiche Wertschätzung genießen wie alle anderen auch."

Weidel selbst hatte am Wochenende einen Parteiausschluss Uwe Junges ins Spiel gebracht. Der ehemalige rheinland-pfälzische Landesvorsitzende werde sich "die Partei demnächst von außen anschauen dürfen". So weit wollen Junges Parteifreunde in Rheinland-Pfalz allerdings nicht gehen. Weidels Reaktion sei "emotional nachvollziehbar aber vielleicht doch etwas voreilig", erklärte Frisch.

Das Mainzer Polizeipräsidium bestätigte am Nachmittag auf Nachfrage, dass es durch Internet-Nutzer auf den Vorfall aufmerksam gemacht worden sei und Vorermittlungen begonnen hätten, ob Junge sich mit der verbalen Entgleisung strafbar gemacht habe. Aufgrund des Wohnortprinzips sei der Fall inzwischen jedoch an das Polizeipräsidium und die Staatsanwaltschaft in Koblenz weitergegeben worden.