Passionsspiel-Leiter für gemeinsamen Religionsunterricht

Leiter der Oberammergauer Passionsspiele, Christian Stückl, warnt vor Mitgliederschwund bei den Katholiken

©epd-bild/Angelika Warmuth

Der Leiter der Oberammergauer Passionsspiele, Christian Stückl, wünscht sich einen gemeinsamen Relgionsunterricht.

Passionsspiel-Leiter für gemeinsamen Religionsunterricht
Für einen bekenntnisübergreifenden Religionsunterricht spricht sich der langjährige Leiter der Oberammergauer Passionsspiele, Christian Stückl, aus. Die katholische Kirche warnt er vor einem Sturz in die Bedeutungslosigkeit.

Gemeinsamen Religionsunterricht statt Klassenteilung nach Konfessionen hat der Oberammergauer Passionsspielleiter Christian Stückl gefordert. Statt früh auf das Trennende geprägt zu werden, sollten Kinder "gemeinsam im Unterricht voneinander lernen, was jüdisch, was christlich oder was muslimisch ist", sagte der 59-jährige Dramaturg bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Oberammergauer Passion - Herausforderung Antisemitismus" in München.

Im Gespräch mit der "Augsburger Allgemeinen" (16.6.) warnte Stückl die katholische Kirche vor einem Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Die Kirche habe sogar in tiefkatholischen Regionen Bayerns ein Riesenproblem, sagte der Theaterintendant. "Sie haben so wenige Priester noch, es findet nur noch an wenigen Orten wirklich eine Seelsorge statt", sagte Stückl. Er kenne Priester, die völlig überfordert seien: "Sie haben Pfarrverbände, die so groß sind, dass sie gar keine richtige Seelsorge mehr betreiben können." Der Kirche drohe "ein Generationenloch", warnte Stückl. In ein paar Jahren werde Kirche "völlig bedeutungslos" sein: "Kirche ist nicht mehr Teil unserer Gesellschaft."

Christian Stückl am 02.04.2020 auf der Bühne. Die Passionsspiele sind wegen der Coronakrise abgesagt und auf 2022 verschoben worden. Damit Gott sie von der Pest verschone, wollten sie alle zehn Jahre das Leiden und Sterben Jesu aufführen - so gelobten es die Oberammergauer im Jahr 1633.

Früher sei er "ein extrem eifriger Kirchgänger" und in einem katholischen Jugendverband engagiert gewesen, berichtete Stückl: "Aber wir hatten in Oberammergau einen Pfarrer, der jede Diskussion abgewürgt hat, weil er sagte: Ich bin der Theologe, ich habe es studiert, und du bist ein Laie." Der Pfarrer habe ihn "aus der Kirche vertrieben und andere junge Leute, die eigentlich großes Interesse an der Kirche hatten".

Stückl zufolge hätte die Kirche "eine große Chance, wenn sie es schaffen würde, sich wirklich auf Jesus zu beziehen". Stattdessen verhalte sie sich an vielen Stellen "völlig unjesuanisch", kritisierte er - etwa als sie Wiederverheiratete von der Kommunion ausschließen wollte oder im Missbrauchsskandal. "Ich habe mich immer mehr entfernt von theologischen Begriffen wie Schuld, Sünde, Sühne", betonte Stückl. "Ich orientiere mich an dem Jesuswort: Wenn ihr Glauben habt, dann könnt ihr Berge versetzen und die Welt verändern."

Während seiner Zeit als Spielleiter hatte Christian Stückl seit 1990 den Text und die Inszenierung der Oberammergauer Passion von antijüdischen Bildern befreit. Dafür war er 2020 mit dem Abraham-Geiger-Preis und 2021 mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt worden. Das "Spiel vom Leiden, Sterben und der Auferstehung Christi" kommt seit 1634 aufgrund eines Pestgelübdes alle zehn Jahre auf die Bühne. Coronabedingt finden die nächsten Aufführungen erst 2022 statt.

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