Dem Heiligen Geist auf der Spur

Taube als Symbol des Heiligen Geistes

©epd-bild/Norbert Neetz

Mosaik im Portal des Berliner Doms mit Darstellung einer Taube als Symbol des Heiligen Geistes. Seit den Anfängen der christlichen Kirche symbolisiert die Taube den Heiligen Geist.

Dem Heiligen Geist auf der Spur
Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes. In der Bibel erscheint er als inspirierende Macht mit weltverändernder Kraft. Schon in der Schöpfungserzählung des Alten Testaments heißt es, der Geist Gottes schwebe über den Wassern.

Und im Neuen Testament kommt 50 Tage nach Ostern ein Brausen vom Himmel, ein gewaltiger Wind weht durchs Haus und erfüllt die Jünger mit dem Heiligen Geist. Das ist die Pfingstgeschichte.

Doch wie sieht er aus - der Heilige Geist? In der christlichen Überlieferung begegnet er den Menschen als säuselnder Wind oder brausender Sturm, in Form von Feuerzungen, manchmal als Taube. Seit dem Konzil von Nicäa im Jahr 325 steht für die Kirche fest: Der Heilige Geist ist Teil der göttlichen Dreieinigkeit, die sich aus Gott Vater, seinem Sohn Jesus Christus und dem Geist als dritter Person zusammensetzt. Er bleibt aber weitgehend unsichtbar, ein körperloses flüchtiges Wesen, das nur in seiner spirituellen Wirkung Gestalt annimmt.

Allegorie der Weiblichkeit

Nicht so im Roman des kanadischen Autors William P. Young "Die Hütte - ein Wochenende mit Gott". In dem 2007 erschienenen Weltbestseller, der fürs Kino verfilmt wurde, verkörpert eine Frau namens Sarayu, was so viel bedeutet wie "die Fließende", den Heiligen Geist. Die sanfte Schönheit lebt in einer einsam gelegenen Waldhütte in einer Art Dreier-WG: Sarayu kümmert sich um den Garten, eine ältere Afroamerikanerin, die "Papa" genannt wird, hat meist in der Küche zu tun, und Jesus, ein junger Hebräer, verbringt die Tage in seiner Schreinerwerkstatt.

Die für manche Geschmäcker recht kitschig geratene Erzählung versucht, an menschliche Vorstellungswelten anzuknüpfen, übersetzt die theologische Formel von der göttlichen Trinität in Bilder und schreibt der Figur des Heiligen Geistes dabei heilende Wirkkräfte zu - der göttliche Geist als eine Allegorie der naturnahen Weiblichkeit.

Geheimnis auf die Spur kommen

Von einer ganz anderen Seite nähert sich der evangelische Theologieprofessor Jörg Lauster dem Phänomen. Sein jüngstes Buch trägt den Titel "Der heilige Geist - eine Biographie". Es geht um eine Kultur- und Christentumsgeschichte, angereichert mit Geist-Erfahrungen von Menschen verschiedener Epochen und Strömungen. Er wolle "den vielfältigen Formen der Gegenwart des göttlichen Geistes im Rauschen der Welt nachgehen", schreibt Lauster in der Einleitung.

Der Autor, der einen Lehrstuhl für Systematische Theologie in München innehat, möchte einem Geheimnis auf die Spur kommen: "Die Biografie des heiligen Geistes reicht von einer vagen Ahnung seiner Anwesenheit bis zur Annahme des Geistes als Strukturprinzip des Universums." Es geht also um den Geist, der die Welt im Innersten zusammenhält.

Christen Träger des Geistes

Nicht erst im frühen Christentum und anlässlich des Pfingstwunders weht der Geist vom Himmel. Die Geburt des Heiligen Geistes verortet Lauster in der Zeit davor - bei den Propheten im alten Israel: Gott verleiht seinen Dienern die Gabe des Geistes, durch seinen Geist ist Gott in der Welt gegenwärtig.

In dieser Tradition sieht sich auch Jesus als "Gesalbter des Herrn" mit dem Geist Gottes erfüllt, ja als Verkörperung des Geistes, der Wunder vollbringt. Seine Jünger erkennen: Gottes Geist offenbart sich in der Person Jesu. Der Apostel Paulus schließlich predigt den ersten Gemeinden, dass alle Christen Träger des göttlichen Geistes geworden sind. Sein eigenes Leben und seine Bekehrung kann er nur mit dem Geschenk des Heiligen Geistes erklären. Wichtig sind ihm die "Charismen" - die Gaben des Geistes.

Spricht in der Stimme der Natur

In Lausters Buch treten viele Zeugen auf, die den Heiligen Geist gewissermaßen gesehen haben und in denen er gelebt hat: Mittelalterliche Mystiker wie Meister Eckhart, Renaissance-Künstler und Philosophen wie Marsilio Ficino bis hin zum Abt Joachim von Fiore, der im 12. Jahrhundert eine Utopie mit politischer Sprengkraft entwarf: ein tausendjähriges Reich des Heiligen Geistes. Aber auch in der aufgeklärten Moderne erkennt Lauster Wirkkräfte des Heiligen Geistes, er verweist auf christliche Friedensbotschafter wie die Quäker oder Albert Schweitzer.

Das Spirituelle in der Natur fasziniert heute viele Menschen. Also gibt es ihn doch, den Heiligen Geist in Person der Gärtnerin Sarayu, die Romanautor Young erfand? Lauster schließt zumindest nicht aus, "dass der göttliche Geist in der Natur auftaucht und in ihr gegenwärtig ist, in der Stimme der Natur zu uns spricht".

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