"Ökumene hat sich verändert"

Ökumenischer Kirchentag in Frankfurt

© epd-bild/Tim Wegner

Teilnehmer:innen des Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt am Main.

"Ökumene hat sich verändert"
160.000 Menschen beteiligten sich am digitalen Kirchentag
Der 3. Ökumenische Kirchentag in Frankfurt sollte mitten in der Corona-Krise ein Hoffnungszeichen setzen. Laut Veranstaltern ist das gelungen. Das digitale Format habe rund 160.000 Menschen erreicht.

Der 3. Ökumenische Kirchentag hat laut den Veranstaltern die Kirchen einander näher gebracht. Man sei "einen wichtigen Schritt weiter", sagte der katholische Kirchentagspräsident Thomas Sternberg am Sonntag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt am Main mit Blick auf eine neue Willkommenskultur bei Abendmahl und Eucharistie. Von Frankfurt gehe ein neues ökumenisches Signal aus: "Grenzt euch nicht ab, öffnet euch", so Sternberg, der auch Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist.

Die wechselseitige Teilnahme an Abendmahl und Eucharistie sei ja seit vielen Jahren gelebte Praxis und geschehe jeden Sonntag "Hunderttausende Male" in Deutschland, ergänzte Sternberg. Neu sei allerdings, dass das, was sonst eher im privaten Rahmen geschehe, in Frankfurt zum "ersten Mal öffentlich" praktiziert worden sei. Insofern habe sich die Ökumene in Frankfurt verändert. Am Samstagabend hatten katholische Christen Brot und Wein beim evangelischen Abendmahl empfangen, Protestanten nahmen an der katholischen Eucharistiefeier teil.

Die evangelische Kirchentagspräsidentin Bettina Limperg fügte hinzu, der 3. Ökumenische Kirchentag habe auch gezeigt, dass die Digitalität die Gesellschaft verändere. Der ÖKT sei Vorbild dafür, dass solche digitalen Großveranstaltungen funktionieren. Man müsse allerdings bedenken, dass solche Formate "komplett öffentlich" seien. Gerade bei der Behandlung von Themen wie der sexualisierten Gewalt in den Kirchen brauche man auch geschlossene, seelsorgerliche "Schutzräume" für die Betroffenen, betonte die Präsidentin des Bundesgerichtshof.

Die Organisatoren zeigten sich zufrieden mit der Resonanz. An dem viertägigen Laienfest und seinen digitalen Angeboten hätten sich rund 160.000 Menschen beteiligt, sagte Limperg. Das sei eine "großartige Zahl". Sie zeige, dass der Kirchentag die Themen angesprochen habe, die angesagt seien. Die Menschen "in der Fläche" seien erreicht worden.

Nach Angaben von Marija Vidovic vom Vorstand des Veranstaltervereins wurden 165.000 Zugriffe auf Livestreams und 155.000 Zugriffe auf Downloads gezählt. Den Eröffnungsgottesdienst am Donnerstag hätten im Ersten und im Hessischen Rundfunk etwa eine Million Zuschauer verfolgt.

Gekostet hat das Laienfest, das sich vor allem durch staatliche und kirchliche Zuwendungen sowie Sponsorengelder finanziert, etwa 18 Millionen Euro, wie Finanzvorstand Stephan Menzel mitteilte. Damit sei der Kirchentag unter Pandemiebedingungen deutlich günstiger ausgefallen als in seiner ursprünglich geplanten Form, für die etwa 26 Millionen Euro veranschlagt gewesen seien. Die Bilanz sei ausgeglichen, Einnahmen und Ausgaben hielten sich die Wage, betonte Menzel: Unter dem Strich stehe eine "schwarze Null".

Der 3. Ökumenische Kirchentag in Frankfurt am Main fand wegen der Corona-Pandemie überwiegend digital statt. Er wurde gemeinsam veranstaltet vom Deutschen Evangelischen Kirchentag und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Für das nächste Jahr ist ein Katholikentag in Stuttgart geplant, für 2023 ein evangelischer Kirchentag in Nürnberg. Konkrete Pläne für einen weiteren Ökumenischen Kirchentag gibt es bislang nicht.

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