Arbeitsgemeinschaft fordert schnellere Impfungen für Wohnungslose

Arbeitsgemeinschaft fordert schnellere Impfungen für Wohnungslose
16.04.2021
epd
epd-Gespräch: Konstantin Klenke

Berlin (epd). Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hofft, dass die Corona-Impfungen für Wohnungslose schneller als bislang vorankommen. "Wenn es heißt: Bleibt zu Hause, ist das natürlich gerade für die Menschen schwierig, die kein Zuhause haben", sagte die stellvertretende Geschäftsführerin der Bundesarbeitsgemeinschaft, Sabine Bösing, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Obdachlose gehören bundesweit zur Prioritätsgruppe 2 bei den Impfungen.

Impfungen seien besonders für Menschen wichtig, die ohne Unterkunft auf der Straße leben, betonte Bösing: "Sie sind durch ihre Lebenssituation eine sehr gefährdete Gruppe." So hätten sie gerade durch die Pandemie schwerer Zugang zu sanitären Einrichtungen und Hygiene-Angeboten und könnten sich schwerer von anderen Menschen isolieren. Die Mehrzahl obdachloser Menschen leide zudem unter Vorerkrankungen, müsse also im Falle einer Corona-Erkrankung mit einem schweren Verlauf rechnen.

Die Organisatoren der Impfungen für Wohnungslose müssten die besondere Lebenslage dieser Gruppe berücksichtigen, forderte Bösing. "Es ist sinnvoll, dort anzusetzen, wo die Menschen sind, zum Beispiel in Tagesaufenthalten und Unterbringungseinrichtungen." Viele Wohnungslose hätten keinen Hausarzt und suchten wahrscheinlich nur in seltenen Fällen ein Impfzentrum auf. Es sei wichtig, Wohnungslose zielgruppenspezifisch anzusprechen und über die Impfung aufzuklären. Bösing forderte die zuständigen Behörden auf sicherzustellen, dass Menschen auch ihren Termin zur Zweitimpfung wahrnehmen können. Außerdem müssten Obdachlose, die Impfreaktionen zeigen, sicher untergebracht werden.

Die Impfkampagne für Wohnungslose komme regional sehr unterschiedlich voran, sagte Bösing. "Das hängt sehr stark von der Zusammenarbeit der zuständigen Behörden und der freien Träger ab. Die meisten Kommunen haben aber inzwischen Überlegungen dazu angestellt." So seien bereits viele Wohnungslose in München geimpft worden. Hamburg dagegen habe auf eine schnellere Zulassung des Impfstoffs von "Johnson & Johnson" gesetzt. Laut Bösing ist dieser Impfstoff für Obdachlose besonders geeignet, da er nur einmal verimpft werden muss. Das erleichtere die Organisation der Kampagne, da niemand an seinen Zweittermin erinnert werden müsse.

Bislang sei es unter Obdachlosen nicht zu größeren Corona-Ausbrüchen gekommen, sagte Bösing. Das müsse auch so bleiben. Die Bundesarbeitsgemeinschaft schätzte die Zahl der Obdachlosen in Deutschland im Jahre 2018 auf rund 237.000.