Militärbischof kritisiert Pläne für Ethikunterricht in der Bundeswehr

Militärbischof kritisiert Pläne für Ethikunterricht in der Bundeswehr
13.03.2021
epd
epd-Gespräch: Corinna Buschow

Berlin (epd). Die evangelische Kirche kritisiert Pläne für eine neue Dienstvorschrift für den ethischen Unterricht in der Bundeswehr. Neben politische und historische Bildung soll ethische Bildung als dritte Säule gestellt werden, sagte der Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bernhard Felmberg, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er stößt sich daran, dass dieser Unterricht von Dienstvorgesetzten erteilt werden soll. "Das sehen wir sehr kritisch", sagte Felmberg.

Der Theologe, der seit vergangenem Jahr Militärbischof ist, erläuterte, unter dem Dach "Innere Führung" in der Bundeswehr gebe es derzeit politische und historische Bildung sowie seit 65 Jahren den Lebenskundlichen Unterricht, den Militärgeistliche erteilen. Dieser sei ausdrücklich kein Religionsunterricht. "Dort geht es um Berufsethik und Gewissensschärfung", erklärte Felmberg. Themen seien beispielsweise Lebensführung, moralische Herausforderungen, Menschenbild, Identität, Toleranz, Freiheit und Verantwortung, Radikalisierung und Fundamentalismus, Vereinbarkeit von Dienst und Familie, Friedens- und Konfliktethik.

Dienstvorgesetzte sieht Felmberg nach eigenen Worten bei der Erteilung von ethischer Bildung vor einem "Zielkonflikt". "Der Dienstvorgesetzte, der Befehle erteilt, würde dann gleichzeitig lehren, wie solche Befehle ethisch begründet abgelehnt werden können", sagte er. Zudem könne ein Dienstvorgesetzter aufgrund seiner Rolle nicht den Freiheitsraum entfalten wie ein Pfarrer, der außerhalb der Befehlskette steht. "Die Offenheit, auch über schwierige Themen zu sprechen, wäre eingeschränkt", sagte Felmberg.

"Bei der Gründung der Bundeswehr 1956 hat man nach der Erfahrung der NS-Diktatur bewusst für einen zivilen Faktor in der Bundeswehr gesorgt", ergänzte er. Die evangelische und katholische Militärseelsorge sei dabei von Anfang an nicht nur für die religiöse Begleitung der Soldaten vorgesehen, sondern auch in die ethische Bildung eingebunden gewesen. "Ein neuer Ethikunterricht, erteilt durch Dienstvorgesetzte, hebelt diese historische Erkenntnis aus", sagte Felmberg. Er unterstrich, die evangelische Militärseelsorge wolle in dem Bereich "weiter und gern auch stärker Verantwortung übernehmen". Evangelische Militärgeistliche geben nach seinen Angaben derzeit etwa 11.000 Stunden Lebenskundlichen Unterricht im Jahr.