Susanne Bei der Wieden wird Kirchenpräsidentin

Susanne Bei der Wieden wird Kirchenpräsidentin
© epd-bild/Tim Wegner
Die digital tagende Synode der Evangelisch-reformierten Kirche hat erstmals eine Frau an die Spitze gewählt: Susanne Bei der Wieden wird Kirchenpräsidentin.
Susanne Bei der Wieden wird Kirchenpräsidentin
Erstmals leitet eine Frau die Evangelisch-reformierte Kirche
Am Ende ging es trotz technischer Schwierigkeiten schnell. Die digital tagende Synode der Evangelisch-reformierten Kirche hat erstmals eine Frau an die Spitze gewählt. Sie will die Kirche menschennah positionieren und sprachfähiger machen.

Susanne Bei der Wieden wird die erste Kirchenpräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche. Die Delegierten der digital tagenden Gesamtsynode wählten die 54-jährige Theologin aus Frankfurt am Main am Donnerstagabend im ersten Wahlgang mit 46 Stimmen. Sie folgt Martin Heimbucher im Amt, der Ende Juli in den Ruhestand tritt. Ihre Gegenkandidatin, Sabine Dreßler aus Braunschweig, erhielt 14 Stimmen. Eine Stimme wurde nicht abgegeben.

Bei der Wieden sagte nach der Wahl, sie strebe eine Kirche an, die von den Menschen wieder besser verstanden werde. "Wir müssen sprachfähiger werden." Dazu gehöre, mit anderen gesellschaftlichen Akteuren zusammenzuarbeiten. Sie kündigte an, der Kirche ein Gesicht geben zu wollen. Das schließe ein, auch unbequeme Dinge öffentlich anzusprechen: "Das Evangelium ist nicht unpolitisch. Die Bibel verpflichtet uns zum Einsatz für schwache Menschen."

Bedford-Strohm freut sich auf Zusammenarbeit

Bei der Wieden wird ihr neues Amt voraussichtlich am 1. August antreten. Wann sie in einem Gottesdienst in ihre neue Aufgabe eingeführt wird, steht noch nicht fest.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, gratulierte Bei der Wieden zur Wahl: Sie könne einen reichen Schatz an Erfahrungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln einbringen. "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit in der EKD-Kirchenkonferenz."

Der Ratsvorsitzende der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit, unterstrich in seinen Glückwünschen, dass es in Niedersachsen es eine ganze Reihe von Themen gebe, bei denen die evangelischen Kirchen eng zusammenarbeiten: "Ich freue sich sehr auf die Zusammenarbeit in Niedersachsen und ein persönliches Kennenlernen." Auch der hannoversche Landesbischof Ralf Meister wünschte der designierten Kirchenpräsidentin alles Gute. Ihre vielfältigen Erfahrungen seien ein großer Gewinn.

Kirche nah bei den Menschen

Der leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche, Bernd Kuschnerus, sagte, es sei eine Freude, dass mit Susanne Bei der Wieden erstmals eine Frau in das Amt gewählt wurde. Kuschnerus betonte, dass es gerade in gesellschaftlichen Fragen viele Berührungspunkte gebe. Bei der Wieden habe stets betont, dass die Kirche nah bei den Menschen sein müsse, gerade angesichts der sich öffnenden sozialen Schere.

Susanne Bei der Wieden wurde 1966 in Darmstadt geboren. Evangelische Theologie studierte sie in Wuppertal und Göttingen. 1997 erhielt sie ihren Doktortitel für eine Arbeit über die Predigten des Reformators Martin Luther (1483-1546). Derzeit ist sie Pastorin der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Frankfurt/Main. Bei der Wieden ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Zur Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer gehören rund 168.500 Mitglieder in 143 Gemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu.

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<p>Die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz im ostfriesischen Leer zählt zu den kleineren der 20 Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zu ihr gehören zwischen Ostfriesland und dem Allgäu 143 Gemeinden mit und 168.500 Mitgliedern. Ihre Wurzeln liegen in der Schweizer Reformation des 16. Jahrhunderts. Zu ihren Vätern zählen die Reformatoren Ulrich Zwingli (1484-1531) aus Zürich und Johannes Calvin (1509-1564) aus Genf.</p>

<p>In reformierten Kirchen gibt es in der Regel keine Altäre, keine Kruzifixe und keine Wandmalereien, weil das Gebot "Du sollst dir kein Bildnis machen" sehr ernst genommen wird. Im Mittelpunkt der Gottesdienste steht die Predigt. In der reformierten Kirche herrscht überdies ein striktes Gleichheitsprinzip: "Keine Gemeinde darf über eine andere, kein Gemeindeglied über ein anderes Vorrang oder Herrschaft beanspruchen", heißt es in der Kirchenverfassung, die auf der "Emder Synode" aus dem Jahr 1571 fußt.</p>

<p>Die Evangelisch-reformierte Kirche wurde 1882 auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsen gegründet, nachdem Kaiser Wilhelm I. den reformierten Gemeinden in seinem preußischen Herrschaftsgebiet die Einberufung einer eigenen Synode ermöglichte. 1989 kamen die reformierten Gemeinden aus Bayern hinzu. Später schlossen sich auch Gemeinden in Hamburg, Braunschweig und Göttingen an.</p>

<p>Reformierte Kirchen gibt es - neben lutherischen und katholischen Kirchen - auf allen Kontinenten. Nahezu 230 Kirchen in 108 Ländern weltweit gehören zur Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, die ihren Sitz 2014 von Genf nach Hannover verlegte. Die Zahl der reformierten Christen insgesamt wird auf rund 80 Millionen geschätzt.</p>