Strafrechtler hält an Veröffentlichung von Missbrauchsgutachten fest

Strafrechtler hält an Veröffentlichung von Missbrauchsgutachten fest

Der Kölner Strafrechtler Björn Gercke, der im Auftrag des Erzbistums Köln ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsfällen erstellt, äußert sich zuversichtlich, trotz juristischer Schwierigkeiten die Studie wie geplant in wenigen Wochen zu veröffentlichen. "Gehen Sie davon aus, dass wir Ihnen, Ihren Kolleginnen und Kollegen und der Öffentlichkeit am 18. März ein umfassendes Gutachten präsentieren werden", sagte Gercke dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstag).

In diesen Tagen stehe er in einem teilweise sehr intensiven Austausch mit amtierenden oder ehemaligen Amtsträgern, "weil wir immer noch sehr umfassend Post von Anwälten bekommen, die auf Basis von Wortlautprotokollen unserer Befragungen für ihre Mandanten bestimmte Dinge klarstellen oder anmerken wollen". Es liege rechtsstaatlich in der Freiheit der Verantwortlichen, Vorwürfe auszuräumen. Deren Verhalten sei "sehr, sehr unterschiedlich", erläuterte der Jurist. "Auch das werden wir darstellen." Gercke gab an, Pflichtverletzungen noch lebender Amtsträger festgestellt zu haben. Deren Versuche, die Vorwürfe auszuräumen, seien "nicht in jedem Fall gelungen".

"Unser Gutachten hat zunächst schonungslos die Tatsachen erhoben", sagte der Strafrechtler Gercke, dessen Kanzlei von Erzbischof Rainer Maria Woelki im vorigen Herbst mit der Erstellung der Studie beauftragt wurde. Jetzt werde abschließend äußerungsrechtlich geprüft, was davon auch öffentlich gemacht werden kann. "Und ich verrate heute nicht zu viel, wenn ich sage: Die Reaktionen des einen oder anderen potenziell Verantwortlichen oder seiner Anwälte lassen erwarten, dass es äußerungsrechtlich zum Schwur kommen kann." Der Strafrechtler spricht von einem "Ringen mit dem Äußerungsrecht, damit die Öffentlichkeit am Ende ein Gutachten präsentiert bekommt, das Ross und Reiter nennt".

Kardinal Woelki ließ ein erstes Gutachten im Oktober 2020 unter Verschluss nehmen. Durch seine Ankündigung, dieses erste in Auftrag gegebene Gutachten der Münchener Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl nicht zu veröffentlichen, sieht sich der Kölner Erzbischof seit Wochen heftiger Kritik ausgesetzt.

Der nun beauftragte Gutachter Gercke betonte im Gespräch mit der Zeitung, dass sämtliche Fälle mit rund 200 Beschuldigten sowie rund 300 Opfern in einer "gestrafften, abstrahierenden Darstellung in Kurzform" in sein Gutachten eingingen. Ausführlicher würden die Fälle geschildert, "in denen wir Pflichtverletzungen nachgewiesen haben".

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