Umfrage: Religiöse Bindung ist Zugewanderten wichtiger als Deutschen

Russisch-orthodoxe Christen feiern Weihnachten in der Berliner Hl.-Konstantin-und-Helena-Kirche

©epd-bild/version/ Ralf Maro

Russisch-orthodoxe Christen feiern in der Berliner Hl.-Konstantin-und-Helena-Kirche die Weihnachtsliturgie. Mehr als die Hälfte der in Deutschland lebenden Menschen mit polnischen oder russischen Wurzeln bezeichnen sich als religiös.

Umfrage: Religiöse Bindung ist Zugewanderten wichtiger als Deutschen
Menschen mit türkischer, polnischer oder russischer Einwanderungsgeschichte ist die religiöse Bindung wichtiger als Deutschen ohne ausländische Wurzeln. Das ergab eine repräsentative Erhebung der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Im Rahmen der Erhebung gaben 82 Prozent der Befragten mit türkischer Abstammung an, etwas oder sehr religiös zu sein, und etwa die Hälfte, täglich zu beten. Bei Personen mit polnischem und russischem Hintergrund bezeichneten sich mehr als die Hälfte als etwas oder sehr religiös. Nur 15 bis 20 Prozent bezeichneten sich als "gar nicht religiös", wie aus der am 26. Januar in Berlin veröffentlichten Umfrage hervorgeht.

Christen aus Polen und Deutschland am 01.09.2019 in einem ökumenischen Gedenkgottesdienst im Berliner Dom.

Dagegen sagten 38 Prozent der Deutschen ohne Wurzeln im Ausland, sie seien "gar nicht religiös", weitere 13 Prozent, sie seien kaum religiös und 39 Prozent, sie seien etwas religiös. Nur neun Prozent gaben an, sehr religiös zu sein. Für die Studie mit dem Titel "Was eint die Einwanderungsgesellschaft?" wurden zwischen Oktober 2018 und Februar 2019 insgesamt 3003 Personen telefonisch befragt.

Deutliche Unterschiede auch in anderen Lebensfragen

Deutlich unterscheiden sich die untersuchten Gruppen auch bei der Frage, wie sie es fänden, wenn ihre Tochter einen Christen, Muslim oder Juden heiraten würde. Bei den Deutschen ohne anderen Hintergrund gab es bei zwei Prozent Vorbehalte gegen einen christlichen Schwiegersohn, bei elf Prozent gegen einen jüdischen Schwiegersohn, bei 23 Prozent gegen einen muslimischen Schwiegersohn. Bei den Menschen mit polnischer Geschichte fänden es 61 Prozent nicht gut, wenn ihre Tochter einen Muslim heiraten würde. Ein jüdischer Schwiegersohn wurde von 39 Prozent abgelehnt. Bei den Befragten türkischer Abstammung fänden es 47 Prozent nicht gut, wenn die Tochter einen Christen heiraten würde, und 54 Prozent möchte keine Hochzeit der Tochter mit einem Juden.

Auch die Einstellung zu gleichgeschlechtlichen Ehen ist bei den befragten Gruppen sehr verschieden: Während nur eine Minderheit der Deutschen ohne Wurzeln im Ausland (16 Prozent) diese ablehnen, sind es bei den Befragten mit russischem Hintergrund 45 Prozent und mit türkischem Hintergrund 60 Prozent. Bei Menschen polnischer Abstammung sind es 26 Prozent.

Meldungen

Top Meldung
Priester und Pfarrer beim Abendmahl
Auf dem kommenden Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt soll es nach dem Willen einzelner Gemeinden zur wechselseitigen Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl kommen. Eine Gruppe von Theologen hat dazu eine Erklärung formuliert.