Berliner Jerusalemsverein wehrt sich gegen Antijudaismus-Vorwürfe

Berliner Jerusalemsverein wehrt sich gegen Antijudaismus-Vorwürfe
23.01.2021
epd
epd-Gespräch: Stephan Cezanne

Der Berliner Jerusalemsverein wehrt sich entschieden gegen Vorwürfe, antijudaistische oder gar antisemitische Tendenzen zu unterstützen. "Zu keiner Zeit hat es auf der Website des Jerusalemsvereins Inhalte gegeben, die einen solchen Vorwurf rechtfertigen würden", sagte der Vorsitzende und frühere Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit, in Greifswald dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er reagierte damit auf Kritik an der Weiterleitung eines "Weihnachtsaufrufs aus Bethlehem 2020" der Kairos-Palästina-Bewegung. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und das Berliner Missionswerk hatten Anfang Januar Anstoß unter anderem an darin enthaltenen Aufrufen zu Wirtschaftssanktionen gegen Israel genommen.

Die kurzzeitige Verlinkung des Weihnachtsaufrufs der Kairos-Kampagne auf der Homepage des Jerusalemsvereins bedeute auch im juristischen Sinne nicht, "dass man sich mit allen Inhalten, die durch diesen Link erreichbar sind, identifiziert", betonte Abromeit. So habe er sich von dem Boykott-Aufruf und entsprechenden Aussagen der damit verbundenen israelkritischen BDS-Bewegung bereits wiederholt distanziert. Das Ziel von "Kairos Palestine" sei keinesfalls die Vernichtung Israels, sondern eine gerechte Versöhnung "für beide Seiten". Die Bewegung schließe zudem alle bedeutenden Theologen und Kirchenleiter in Palästina ein.

Wer wie der Jerusalemsverein die Interessen der arabischen Christen vertrete, könne nicht an der Kairos-Bewegung vorübergehen, so Abromeit: "Das bedeutet nicht, alle Positionen unserer Partner und Geschwister kritiklos zu übernehmen." Verbundenheit bedeute hier, einen kritischen Dialog zu führen, der Übereinstimmung und Widerspruch mit einschließe. Der Jerusalemsverein wisse sich gebunden an entsprechende Stellungnahmen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Vor der EKBO und dem Berliner Missionswerk, zu dem der Jerusalemsverein gehört, hatte der frühere Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) den Kairos-Weihnachtsaufruf als in Teilen antijudaistisch kritisiert. Abromeit bezeichnete die von Beck vorgenommene Textauswahl "als tendenziös und nicht repräsentativ".

Das Kairos-Palästina-Dokument wurde 2009 in Bethlehem von führenden Theologen und hochrangigen Bischöfe aus der Region sowie vielen Konfessionen unterzeichnet. Sie bezeichnen darin die Besetzung der Palästinensergebiete als Bruch des Völkerrechts und "Sünde". Gegner kritisieren, das Papier sehe die Schuld im Nahostkonflikt einseitig bei den Israelis.