EKD-Ratsmitglied Kaufmann: "Assistierter Suizid ist kein Weg"

EKD-Ratsmitglied Kaufmann: "Assistierter Suizid ist kein Weg"
14.01.2021
epd-Gespräch: Susanne Müller
epd

Der Theologe Dieter Kaufmann, Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der württembergischen Diakonie, warnt davor, Suizidassistenz in kirchlich-diakonischen Einrichtungen zuzulassen. Kaufmann sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), er könne sich einem entsprechenden Vorschlag des Präsidenten der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, nicht anschließen.

"Als Kirche sehen wir im Selbstbestimmungsrecht ein hohes Gut", sagte Kaufmann. Unterstützung für Menschen in der Sterbephase könnten etwa palliative Sedierung, Sterbefasten und andere palliative Begleitung sein. "Aber assistierter Suizid ist kein Weg, den wir in unseren kirchlich-diakonischen Einrichtungen unterstützen können", betonte Kaufmann. Selbstbestimmung im Sterben sei in anderen Formen möglich.

Aus christlicher Sicht sei "die Grundlinie der Schutz des Lebens, egal ob körperlich behindert oder psychisch krank oder alt". Es gebe durchaus ein Dilemma, nämlich eine für den Betroffenen existenzielle Not. Und dann stehe die Frage im Raum, wie man damit umgehen könne. Wenn kirchlich-diakonische Einrichtungen dann assistierten Suizid als Möglichkeit in Erwägung zögen, bestünde die Gefahr, "dass dieser Weg letztendlich zum gesellschaftlich akzeptierten Weg des Sterbens wird", sagte der Theologe, der im vergangenen Jahr als Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes der evangelischen Kirche in Württemberg in den Ruhestand gegangen ist. Es gebe "dahingehend manchmal einen hohen Druck, teilweise auch aus wirtschaftlichen Gründen".

Hochrangige evangelische Theologen - darunter auch Diakonie-Präsident Lilie - hatten sich in einer Stellungnahme für die Möglichkeit von Sterbehilfe in kirchlich-diakonischen Einrichtungen ausgesprochen. Die Einrichtungen sollten eine bestmögliche medizinische und pflegerische Palliativversorgung sicherstellen, heißt es darin. Zugleich dürften sie sich aber dem freiverantwortlichen Wunsch einer Person nicht verweigern, ihrem Leben mit ärztlicher Hilfe ein Ende zu setzen. Offiziell wird in der evangelischen sowie in der katholischen Kirche die Möglichkeit zur Suizidassistenz abgelehnt.

Kaufmann sagte, Diakonie und Kirche sähen durchaus den Menschen in seiner Not, und es werde wohl auch Ausnahmen geben müssen, "die man klären muss". Assistierter Suizid habe aber nichts mit Selbstbestimmung zu tun, sondern resultiere aus empfundener Ausweglosigkeit. Deshalb braucht es aus seiner Sicht "verstärkt Informationen und vertiefte Beratung, und es sind Schutzkonzepte nötig".

Auslöser für die Debatte über Sterbehilfe ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem vergangenen Februar. Die Verfassungsrichter hatten den Klagen von Sterbehilfeorganisationen, Ärzten und Einzelpersonen Recht gegeben, die sich gegen das 2015 verabschiedete Verbot organisierter - sogenannter geschäftsmäßiger - Hilfe bei der Selbsttötung richteten. Die Karlsruher Richter erklärten das entsprechende Gesetz für nichtig und begründeten das mit dem Recht auf selbstbestimmtes Sterben, das auch Dritten die Assistenz beim Suizid erlaube.

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