Guterres: Impfstoff muss öffentliches Gut sein

Guterres: Impfstoff muss öffentliches Gut sein
Wenige Tage vor Beginn der Covid-19-Impfungen in Deutschland erinnert UN-Generalsekretär Guterres im Bundestag daran, dass auch Menschen in armen Ländern damit versorgt werden müssen. Schäuble äußert sich selbstkritisch.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, sieht bei den Covid-19-Impfungen eine Verantwortung der reichen Länder für die armen. Der Impfstoff müsse globales öffentliches Gut sein, sagte der Portugiese am Freitag im Bundestag in Berlin, wo er auf Einladung von Parlamentspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) eine Rede hielt - in deutscher Sprache. Er betonte, Impfstoff sollte überall und für alle Menschen zugänglich und bezahlbar sein - "ein Impfstoff, der den Menschen gehört".

Der UN-Generalsekretär betonte, dass durch die Pandemie die Armut zunehme und Hungersnöte drohten. "Überall haben die Schwächsten am meisten zu leiden." Dennoch mangele es an internationaler Zusammenarbeit. An vielen Orten gebe es "die Tendenz zur Abschottung" und eine Zunahme von Hetze, Antisemitismus, islamfeindlichem Fanatismus und anderen Formen von Diskriminierung. "Wir wissen aus der Geschichte, dass eine Politik, die auf Wut setzt, in die Katastrophe führt", mahnte er. Gleichzeitig erneuerte er seine Forderung nach einer weltweiten Waffenruhe, damit die Pandemie effektiver bekämpft werden könne.

Anlass für den Besuch von Guterres in Berlin war der 75. Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen. Die UN waren am 24. Oktober 1945 gegründet worden. An der 45-minütigen Sonderveranstaltung im Bundestag nahmen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Der Bundestag lädt selten ausländische Persönlichkeiten ein, um im Plenarsaal zu sprechen. Meist geschieht das zu Gedenkstunden - zum Beispiel wenn an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird.

Schäuble äußerte sich zur Begrüßung des Gastes selbstkritisch. "In der Politik berufen wir uns gern auf die Charta der Vereinten Nationen - aber selten genug handeln wir danach", sagte er. "Im globalen Wettstreit der Systeme werden Demokratien ganz besonders daran gemessen, ob sie ihren proklamierten Werten selbst gerecht werden. Das sollte ein starkes Motiv unseres Handelns sein."

Der Parlamentspräsident betonte, die Pandemie habe wie alle drängenden Corona-Probleme mit der zunehmenden Verflechtung der Welt zu tun. Konkret nannte er noch die Erderwärmung, den Verlust an Artenvielfalt, Hunger und weltweite Migrationsbewegungen. "So erfahren wir gerade schmerzhaft, was Globalisierung auch heißt." Deshalb könne es "keinen besseren Abschluss der parlamentarischen Arbeit vor der Weihnachtspause geben, als uns mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen darauf zu besinnen, dass wir diese Herausforderungen auch nur als Weltgemeinschaft bewältigen können". Bei allem existenziellen Leid und Einschnitten in das Alltags- und Wirtschaftsleben in Deutschland dürfe nicht vergessen werden, "wie sehr Menschen in anderen Weltregionen auf unsere Hilfe angewiesen sind".

Im Laufe des Tages sollte Guterres noch mit Merkel per Videokonferenz zusammenkommen. Im Bundestag lobte er ihre Regierungsführung als "besonnen, beständig, mitfühlend und weise". Guterres betonte: "Studien belegen, dass die Führung von Frauen während der Covid-Pandemie zu effektiveren Resultaten geführt hat."

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