Vorwurf Volksverhetzung: Bremer Pastor Latzel droht Geldstrafe

Vorwurf Volksverhetzung: Bremer Pastor Latzel droht Geldstrafe
Verteidigung fordert Freispruch und spricht von «politischem Verfahren»
Schon mehrfach ist der Bremer Pastor Olaf Latzel mit seiner streng konservativen Lesart der Bibel öffentlich angeeckt. Nun steht der evangelische Theologe in Bremen vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hat ihn wegen Volksverhetzung angeklagt.

Im Fall des wegen Volksverhetzung angeklagten Bremer Pastors Olaf Latzel fordert die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 10.800 Euro, die Verteidigung plädiert auf Freispruch. In einem Eheseminar habe Latzel im Oktober vergangenen Jahres zum Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt und diesen Personenkreis generalisierend diffamiert, sagte Staatsanwältin Marlene Wieland am Freitag in ihrem Plädoyer vor dem Amtsgericht in Bremen. Zugleich verletzten die Äußerungen die Menschenwürde. Die Verteidigung hingegen sah in der Anklage ein "politisches Verfahren", mit dem die Staatsanwaltschaft einen umstrittenen Pastor aus dem Dienst entfernen wolle. (Az: 96 Ds 225 Js 26577/20)

Mit dem Auftakt am Freitag waren insgesamt drei Verhandlungstage für den Prozess angesetzt. Doch nach einer Beweisaufnahme, in der fast nur Pflichtverteidiger Sascha Böttner und der Angeklagte sprachen, will die Vorsitzende Richterin Ellen Best das Urteil schon am kommenden Mittwoch (25. November) verkünden.

Staatsanwältin Wieland sagte, Pastor Latzel argumentiere, dass er seine Aussagen auf biblischer Grundlage treffe, doch er bediene sich einer Rhetorik, die in die weltliche Diffamierung führe. Das sei weder von der Religions- noch von der Meinungsfreiheit gedeckt. Überdies sei er damit einverstanden gewesen, dass im März eine Audio-Datei des Seminars auf seinem Youtube-Kanal hochgeladen worden sei, der mit Tausenden Abonnenten eine hohe Reichweite habe.

Im Zentrum der Beweisaufnahme stand die Aufnahme des Seminars, zu dem 30 Ehepaare gekommen waren und die komplett im Gerichtssaal abgespielt wurde. Dabei war unter anderem zu hören, wie der evangelische Pastor sagte, Homosexualität stehe gegen die göttliche Schöpfungsordnung. Er warnte vor einer "Homolobby": "Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day. Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist teuflisch und satanisch." Das verunsichere Leute, zerstöre Zivilisation und Kultur. Homosexualität sei vor Gott todeswürdig und ein Gräuel.

Sowohl Latzel als auch sein Verteidiger betonten, im Verlauf des Seminars seien an keiner Stelle Homosexuelle diffamiert worden. Der streng konservative Pastor der St.-Martini-Gemeinde in der Bremer Innenstadt führte aus, er verurteile Homosexualität, die nach biblischem Maßstab Sünde sei, aber nicht die Sünder selbst. "Sünder sind wir alle, ausnahmslos alle."

Verteidiger Böttner ergänzte, überdies habe Latzel die Aufnahme sofort aus dem Netz genommen und sich dafür entschuldigt, als im klargeworden sei, dass der Begriff "Verbrecher" habe missverstanden werden können. Gemeint gewesen seien Menschen, die den Pastor und seine Gemeinde angegriffen hätten. Staatsanwältin Wieland wertete das allerdings als Schutzbehauptung. Wer den Pastor und die Gemeinde angegriffen habe, sei bis heute nicht ermittelt.

Nach den Plädoyers hatte der 53-jährige Latzel das letzte Wort und betonte, er sei nicht das Monster, zu dem er in der Anklage gemacht worden sei: "Ich versuche jedem als Nächstem zu begegnen."

Aufgrund des großen öffentlichen Interesses und um die Corona-Abstände einhalten zu können, wurde die Gerichtsverhandlung in das Bremer Konzerthaus "Die Glocke" verlegt. Vor dem Gebäude demonstrierten Anhänger des Pastors mit Sprüchen wie "Gott auf der Anklagebank". Der Theologe, der sich als bibeltreu bezeichnet, ist in der Vergangenheit schon öfter in die Kritik geraten. So hatte er 2015 Buddhisten, Katholiken und Muslime diffamiert.

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Das Bremer Amtsgericht hat den Pastor der St.-Martini-Gemeinde, Olaf Latzel, wegen Volksverhetzung verurteilt. Auf youtube hatte er Homosexuelle verunglimpft und als "Verbrecher" tituliert. Nach dem Schuldspruch will die Landeskirche über Konsequenzen beraten.