ZdK fordert Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im Erzbistum Köln

ZdK fordert Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im Erzbistum Köln
Hamburger Erzbischof Heße weist Vertuschungs-Vorwürfe zurück
Der Streit um eine erste Studie zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum Köln spitzt sich zu: Die Laienorganisation ZdK beklagt mangelnde Transparenz und fordert eine Veröffentlichung. Auch der Hamburger Erzbischof Heße steht weiter in der Kritik.

Im Konflikt um die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch durch Kleriker im Erzbistum Köln wächst der Druck auf Erzbischof Rainer Maria Woelki. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) forderte am Freitag die Veröffentlichtung eines seit Monaten unter Verschluss gehaltenen Gutachtens. Auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, früherer Personalchef im Erzbistum Köln, gerät zunehmend in die Defensive: Er lässt wegen Vertuschungsvorwürfen sein Amt als "Geistlicher Assistent" des ZdK ruhen und kündigte an, nach dem Vorliegen eines neuen Gutachtens solle die Bischofskongregation in Rom mögliche Folgen für sein Amt als Erzbischof in Hamburg prüfen.

"Aktuell sind wir Zeuginnen und Zeugen intransparenter Vorgänge im Erzbistum Köln", erklärte die Vollversammlung des ZdK. "Wir fordern, diese vollständig offen zu legen und insbesondere die Ergebnisse aus dem Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl zugänglich zu machen." Das Erzbistum hatte das seit Monaten vorliegende Gutachten in Auftrag gegeben, hält es aber wegen methodischer Mängel für "untauglich" und will es deshalb nicht veröffentlichten. Stattdessen wurde beim Kölner Strafrechtsexperten Björn Gercke ein neues Gutachten in Auftrag gegeben, das im März vorgelegt werden soll.

Das ZdK verlangte in seiner Erklärung "eine freimütige Diskussion auch innerhalb der Kirche". "Wir sind ernüchtert, beschämt und zornig, dass sexualisierte Gewalt in der Kirche immer noch vertuscht wird", erklärte die katholische Laienorganisation. "Bis heute bekennen sich zu wenig Verantwortliche zu ihrem Tun und Unterlassen." Sexualisierte Gewalt sei seit langem ein strukturelles Problem in der katholischen Kirche.

Die Kirche müsse sich "dieser schweren Schuld bedingungslos stellen", heißt es in dem Papier weiter. Täter seien "nicht nur diejenigen, die aktiv missbrauchen, sondern auch alle, die vertuschen, verharmlosen und eine offene und transparente Aufdeckung der Taten behindern". Offenbar gebe es noch immer Bischöfe und weitere Leitungsverantwortliche, "die ihre Macht missbrauchen, keine persönliche und institutionelle Verantwortung übernehmen und nicht zu strukturellen Veränderungen bereit sind".

Das Zdk kündigte an, die weitere Aufarbeitung kritisch zu begleiten. Es appellierte an alle Bischöfe, die mit der Bundesregierung vereinbarte unabhängige Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs konsequent und entschlossen umzusetzen. ZdK-Präsident Thomas Sternberg sagte, im Zentrum aller Bemühungen müssten die Betroffenen stehen, und kritisierte: "Bis in die Gegenwart scheinen die Täter und die Institution mehr als die Opfer im Blick zu sein." Falls Berichte über eine Instrumentalisierung des Betroffenenbeirats im Erzbistum Köln für die Akzeptanz einer veränderten Strategie zuträfen, wäre dies "ein sehr schwerwiegender Skandal".

Der Hamburger Erzbischof Heße beteuerte in einer Erklärung seine Unschuld. Er schließe für sich persönlich "jegliches Vertuschen ausdrücklich aus", könne aber nicht ausschließen, dass ihm "Fehler unterlaufen" sein könnten. Heße war vor seinem Wechsel Anfang 2012 nach Hamburg unter anderem Generalvikar, Diözesanadministrator und Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal im Erzbistum Köln. Ihm wird vorgeworfen, Hinweise auf sexuellen Missbrauch vertuscht zu haben.

In einem Schreiben an die Bischofskongregation in Rom kündigte Heße an, das zweite Gutachten zu Missbrauch im Erzbistum Köln nach Rom zu schicken, sobald die Ergebnisse vorliegen. "Auf meine Bitte hin soll Rom prüfen, ob die dann vorliegenden Untersuchungsergebnisse Auswirkungen auf mein Amt als Erzbischof in Hamburg haben", erklärte der Theologe.

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