Stäblein: Kirchenfusionen nicht am Reißbrett planen

Stäblein: Kirchenfusionen nicht am Reißbrett planen
In der Debatte über eine mögliche Verringerung der Zahl der evangelischen Landeskirchen hat der Berliner Bischof Christian Stäblein zu Zurückhaltung geraten.
08.11.2020
epd-Gespräch: Yvonne Jennerjahn und Jens Büttner
epd

"Eine Gemeinschaft von Landeskirchen baut sich und entwickelt sich über die gemeinsame Arbeit in Teilbereichen, nicht über am Reißbrett entworfene Fusionen", sagte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin.

Im Blick auf die verschiedenen Gliedkirchen und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gelte "vor allem, dass wir uns in Zukunft keine Doppelstrukturen mehr leisten können", sagte Stäblein. Vor Diskussionen über weitere Fusionen müsse jedoch geprüft werden, wie die Zusammenarbeit verbessert werden könne. "Eine gute Zusammenarbeit gibt es zum Beispiel in den ostdeutschen Kirchen bei der Ausbildung mit einem gemeinsamen Predigerseminar", sagte Stäblein: "Kooperationen müssen wir weiter intensivieren und ausbauen."

Die Kirche verändere sich derzeit durch die Coronavirus-Pandemie in hohem Maße, sagte Stäblein. Die Pandemie bringe einen Digitalisierungsschub mit sich und sei "in gewisser Weise ein Transformationsbeschleuniger". Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und erwarteter Rückgänge der finanziellen Mittel müsse nun geprüft werden, "worauf wir uns mit unserer kirchlichen Arbeit konzentrieren wollen", sagte der Bischof. Dazu gehöre auch die Entwicklung von Orten für neue Kontakte von Kirche und Gesellschaft.

Auch über Einsparungen müsse gesprochen werden. In der Landeskirche werde derzeit ein Programm diskutiert, "das an manchen Stellen hart ist", sagte Stäblein: "Da sind natürlich auf mittel- und langfristige Sicht auch landeskirchliche Stellen betroffen." Die Debatte werde jedoch "gemeinsam geführt, es wird nichts von oben vorgelegt und durchgestellt".

Zu Vorschlägen zum Verzicht auf einzelne kirchliche Leitungsämter sagte der Bischof, es sei "nicht damit getan und kann auch nicht sein, sich da ein Amt rauszupicken. Das lehne ich ab." Stattdessen müssten gemeinsame Diskussionen über alle Leitungsstrukturen geführt werden, "Kirchenkreise, Verwaltungsämter, alles". Christian Stäblein ist seit einem Jahr Bischof der Landeskirche. Er hat das Amt am 16. November 2019 übernommen.

Meldungen

Top Meldung
Predigt schreiben braucht viel Zeit
Einen anderen Umgang mit kirchlichen Ressourcen fordert der evangelische Theologieprofessor Heinzpeter Hempelmann. Der größte Teil der personellen Ressourcen - nämlich die Pfarrer:innen - werde zur Versorgung eines immer kleiner werdenden Teils der Kirchenmitglieder eingesetzt.