Kommission will in Kürze Empfehlungen für Corona-Impfung vorlegen

Kommission will in Kürze Empfehlungen für Corona-Impfung vorlegen
25.10.2020
epd-Gespräch: Corinna Buschow
epd

Berlin (epd). Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut will in Kürze ihre Empfehlungen für eine Strategie bei Zulassung eines Corona-Impfstoffs vorlegen. "Das Positionspapier steht", sagte der Epidemiologe Rüdiger von Kries, der Mitglied der Stiko ist, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Nach seinen Angaben sollen demnach vor allem Ältere und Beschäftigte im Gesundheitswesen bei der Impfung bevorzugt werden. Relevant sei das ethische Prinzip der Gerechtigkeit. "Populär ausgedrückt: Gebe dem, der es am meisten braucht und dem es am meisten nutzt", sagte der Leiter der Abteilung Epidemiologie an der Medizinischen Fakultät der Universität München.

Die Stiko, zuständig für Impfempfehlungen in Deutschland, hat sich bei den Überlegungen zu einer Impfstrategie mit Expertinnen und Experten des Deutschen Ethikrats und der in Halle ansässigen Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina beraten. Bei der Abwägung spielten laut Kries folgende Faktoren eine Rolle: die Verhinderung schwerer Covid-19-Krankheitsverläufe und Todesfälle, der Schutz von Personen mit hohem Ansteckungsrisiko im Beruf, der Schutz in Umgebungen mit vielen vulnerablen Personen und hohem Ausbruchspotenzial sowie die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens. Besondere Dringlichkeit gelte dabei den erstgenannten Gruppen.

Deswegen geht Kries davon aus, dass Ältere bei Impfungen priorisiert werden. "Bereits jetzt ist evident, dass hohes Alter der bei weitem stärkste Risikofaktor ist", sagte er. Die Stiko mache zudem systematische Literaturanalysen, um die relevanten Risikogruppen zu hierarchisieren.

Als zweite Gruppe seien diejenigen zuerst zu impfen, die Erkrankten beistehen, sagte Kries. "So wie es evident ist, die Helfer bei einer Bergrettungsaktion mit stabilen Schuhwerk auszustatten - auf Ballettschuhen werden sie selber abstürzen und können keinem helfen - ist es evident, dass die Helfer im Medizinsystem für die Impfung zu priorisieren sind", sagte der Wissenschaftler.

Noch gibt es keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Coronavirus. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens hatten kürzlich bereits bekanntgegeben, dass eine mögliche Impfung der Bevölkerung in extra Zentren starten soll, um sinnvolle Priorisierungen zu gewährleisten. Eine Impfpflicht hat Spahn bislang ausgeschlossen. Auch der Epidemiologe Kries äußerte sich dazu skeptisch: "Autonomie ist ein Menschenrecht. Unsere Verfassung ist ein hohes Gut, das es zu erhalten gilt."