Corona erschwert Seenotrettern Suche nach Nachwuchs

Corona erschwert Seenotrettern Suche nach Nachwuchs
23.10.2020
epd-Gespräch: Björn Schlüter
epd

Die Corona-Krise erschwert es der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), gezielt Nachwuchs für die Seerettung anzuwerben. "Es ist kaum noch möglich, mit Interessierten ins Gespräch zu kommen, da die direkten Gelegenheiten wie 'Open-Ship-Veranstaltungen' oder Besuche an Bord derzeit nicht stattfinden", sagte Sprecherin Antke Reemts dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dennoch sei die Bereitschaft ungebrochen, sich in der Seerettung zu engagieren. Das zeige unter anderem eine unveränderte Anzahl von Anfragen auf elektronischem Wege.

Die meisten der rund 1.000 Seenotretter in der Organisation seien Freiwillige. "Nur etwa 180 von ihnen auf den größeren, rund um die Uhr besetzten Seenotrettungskreuzern sind fest angestellt", sagte Reemts. Sie geht mittelfristig davon aus, dass es für die Stellen der fest angestellten Seenotretter weniger Bewerbungen deutscher Seeleute geben wird. "Wir haben uns deshalb darauf vorbereitet, künftig verstärkt auch Personal selbst zu qualifizieren. Aktuell erhalten wir jedoch wieder mehr Bewerbungen von Patentinhabern."

Wer freiwillig mitmachen wolle, der brauche vor allem die richtige Einstellung. "Maritime Kenntnisse und Bezüge, etwa ein vorhandener Sportbootführerschein, sind von Vorteil, aber keine unbedingte Voraussetzung. Ohne Leidenschaft und Teamgeist geht es jedoch nicht", sagte Reemts. Die Seenotretter erhielten ihre SAR-Dienst-spezifische Ausbildung in ihrer Freizeit. Alarmiert würden sie ähnlich wie freiwillige Feuerwehrleute. Daher seien auch Wohnort und Arbeitsplatz nahe der Rettungsstation wünschenswert. Eine Prüfung der Seediensttauglichkeit ist Voraussetzung.

Bei den fest angestellten Rettungsmännern handele es sich nahezu ausnahmslos um Patentinhaber. "Das bedeutet, sie haben an einer Hochschule ihr nautisches oder technisches Patent erworben und anschließend 'ausgefahren'", erläuterte Reemts. Auch bei den Hauptamtlichen seien Fachkenntnis und Teamgeist entscheidende Faktoren. "Modernste Technik kann gute Seemannschaft nicht ersetzen. Im Gegenteil: Hohe fachliche Qualifikation erhöht die Leistungsfähigkeit der Technik und verbessert die Such- und Rettungsmöglichkeiten."

Der aktuell älteste aktive Seenotretter sei rund 80 Jahre alt, der jüngste gerade 18 Jahre. Dabei gebe es unter den Helfern regelrechte Dynastien. So gebe es auf der Freiwilligen-Station Neuharlingersiel seit Anfang November 2018 wieder einen Vormann Steffens. Der 55-Jährige sei Seemann durch und durch - und Seenotretter, in fünfter Generation. Schon sein Vater Heinrich (1960 bis 1987), sein Großvater Georg (1926 bis 1953) und sogar sein Ururgroßvater Harm Jansen (1873 bis 1902) waren laut Reemts Vorleute bei der DGzRS.

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