AOK-Fehlzeitenreport: Ungerechtigkeit im Betrieb kann krank machen

AOK-Fehlzeitenreport: Ungerechtigkeit im Betrieb kann krank machen
Die AOK hat untersuchen lassen, wie sich eine als ungerecht empfundene Behandlung durch Vorgesetzte auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirkt. Ergebnis: Durchaus spürbar. Das sollte Führungskräfte stärker interessieren, meint die Krankenkasse.

Führungskräfte in Unternehmen haben Einfluss auf die Gesundheit ihrer Untergebenen. Laut dem am Dienstag in Berlin vorgestellten AOK-Fehlzeitenreport 2020 sind Beschäftigte pro Jahr nach eigenen Angaben gut zwei Tage mehr krank, wenn sie sich von ihren Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlen. Sie haben auch mehr psychische und körperliche Beschwerden als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die das Verhalten ihrer Vorgesetzten schätzen.

Der Report stuft das Verhalten von Führungskräften als zentral für die Unternehmenskultur ein. Wenn sie das Gerechtigkeitsempfinden ihrer Mitarbeiter verletzen, hat dies laut der Studie nicht nur Einfluss auf den Krankenstand im Betrieb, sondern auch auf die Bindung der Beschäftigten an ihr Unternehmen.

Dem Report zufolge kommen Beschäftigte, die mit ihren Vorgesetzten unzufrieden sind, auf durchschnittlich 15 Krankheitstage im Jahr. Diejenigen, die ihre Chefinnen oder Chefs als gerecht wahrnehmen, fehlten nach eigenen Angaben im Durchschnitt nur 12,7 Tage. Die Selbstauskünfte wurden allerdings laut dem stellvertretenden Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, Helmut Schröder, nicht gegengecheckt, etwa durch einen Abgleich mit den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen für die befragten Personen.

Aussagekräftiger dürften daher die Angaben über das Auftreten von Gesundheitsproblemen sein. Von den Beschäftigten, die mit ihren Chefs unzufrieden sind, klagt rund jeder Fünfte über Lustlosigkeit, Erschöpfung und Schlafstörungen. Ein Viertel nennt körperliche Beschwerden wie Rücken- und Gelenkschmerzen. Laut Schröder ein überraschend hoher Wert. Ein Zehntel der Befragten klagt über wiederkehrende Kopfschmerzen. In der Gruppe derer, die mit ihren Führungskräften zufrieden sind, liegen die gesundheitlichen Beschwerden zusammengenommen nur bei einem Viertel derer, über die Beschäftigte berichten, die sich ungerecht behandelt fühlen.

Für den AOK-Fehlzeitenreport wurden im März dieses Jahres 2.500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zwischen 18 und 65 Jahren zu ihrem Gerechtigkeitsempfinden am Arbeitsplatz und den Auswirkungen auf die eigene Gesundheit befragt. Sie beantworteten Fragen zur Fairness, Integrität und zum Rollenverständnis ihrer Vorgesetzten. So beurteilten sie etwa, ob die Vorgesetzten ihren Erfolg auf Kosten anderer zu erlangen versuchten, ob sie Verantwortlichkeiten klar benannten, Probleme häufig auf andere abwälzten, ihren Verpflichtungen nachkamen oder ihr Wort hielten. Insgesamt stellten die Beschäftigten den Führungskräften in ihren Betrieben ein überwiegend positives Zeugnis aus. Große Unterschiede zeigten sich aber zwischen Beschäftigten, die sich einer ungerechten Führungskraft unterordnen müssen und denen, die ihren Chefinnen und Chefs gute Noten in Sachen Fairness geben.

Der AOK-Fehlzeitenreport 2020 wird vom Wissenschaftlichen Institut der AOK in Zusammenarbeit mit der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin und der Universität Bielefeld herausgegeben. Der Bielefelder Mitherausgeber Bernhard Badura bilanzierte, Führungskräfte müssten nicht nur fachlich, sondern auch sozial kompetent sein und regelmäßig weitergebildet werden. "Sie müssen mehr darüber wissen, wie es den Beschäftigten geht", sagte Badura. Das komme auch den Unternehmen und der Wirtschaft insgesamt zugute.

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