Pietist Diener: Meine Haltung zu Homosexuellen hat sich geändert

Pietist Diener: Meine Haltung zu Homosexuellen hat sich geändert
21.09.2020
epd-Gespräch: Franziska Hein (epd)
epd

Der ehemalige Präses des Gnadauer Verbands, Michael Diener, hat sich für eine Segnung homosexueller Paare ausgesprochen. "Homosexuelle Menschen haben dasselbe Recht in ihrer Sexualität ernstgenommen, in der Gemeinde wertgeschätzt und geliebt, gesegnet und begleitet zu werden", sagte Diener dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der 58-Jährige war am Samstag als Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbands, der Dachorganisation der Pietisten in Deutschland, verabschiedet worden.

2015 hatte der Theologe in einem Interview mit einer Äußerung eine Debatte über den Umgang mit Homosexualität unter Pietisten und Evangelikalen ausgelöst. Diener hatte mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen gefordert. Evangelikale Christen lehnen oftmals praktizierte Homosexualität ab, während in den evangelischen Landeskirchen bis auf eine Ausnahme sogar die Segnung homosexueller Paare möglich ist.

Zum Zeitpunkt des Interviews sei er neues Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Vorsitzender der Evangelischen Allianz und Präses des Gnadauer Verbands gewesen. Das habe es vorher nicht gegeben, dass ein Spitzenvertreter der Evangelikalen in einem Leitungsgremium der EKD sitzt. Manche, die seine Positionen schon vorher kritisch gesehen hätten, hätten das Interview zum Anlass genommen, ihre Kritik auch öffentlich zu äußern. "Ich kann sogar verstehen, dass das Interview einige Menschen innerhalb meiner Bewegung irritiert hat. Es wirkte so, als redete da einer in der Öffentlichkeit schlecht über seine eigenen Leute. Das war nie meine Absicht", sagte Diener.

Die Auseinandersetzungen hätten auch Wunden hinterlassen, die Zeit zum Heilen gebraucht hätten, sagte Diener. "Ich habe mir danach Gedanken macht, wie wir innerhalb der Bewegung miteinander umgehen. Wieso missachten gerade diejenigen, die den Glauben so ernst nehmen, Grundsätze wie Nächstenliebe und Respekt vor der Würde des Anderen?"

Seine Haltung zur Homosexualität habe sich von 2011 an bis heute von einer völlig konservativen bis hin zu einer völlig offenen entwickelt, sagte Diener. "An mir kann man deshalb auch ablesen, wie schwer das für jemanden ist, der in diesen Fragen konservativ geprägt und erzogen wurde, diese Einstellung und die dahinterstehenden theologischen Positionen loszulassen." Er bedauere die Verletzungen und Verurteilungen, die er durch seine frühere Haltung homosexuellen Menschen zugefügt habe.

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