Experte: Vaginalring bringt HIV-Schutz von Frauen entscheidend voran

Experte: Vaginalring bringt HIV-Schutz von Frauen entscheidend voran
05.09.2020
epd-Gespräch: Natalia Matter
epd

Berlin (epd). Die Zulassung des Vaginalrings zur HIV-Prävention kann nach Einschätzung des Entwicklungspolitik-Experten Andreas Hübers eine wichtige Lücke beim Schutz von Frauen schließen. "Jeden Tag infizieren sich weltweit 800 junge Frauen zwischen 15 und 24 Jahren mit dem HI-Virus", sagte der Leiter des Berliner Büros der Stiftung Weltbevölkerung dem Evangelischen Pressedienst (epd). In Afrika südlich der Sahara träfen vier von fünf Neuinfektionen Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren. Gleichzeitig liege die wichtigste Vorbeugungsmethode, das Kondom, in der Hand der Männer. "Die sind aber gar nicht an erster Stelle betroffen", betonte Hübers. "Deshalb ist es so wichtig, dass diese Lücke geschlossen wird."

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hatte den Ring, der mit dem Aids-Medikament Dapivirine versehen ist, im Juli für die Vorbeugung von HIV-Infektionen bei Frauen empfohlen. Er hoffe, der Ring werde nun bald zunächst in den Ländern Afrikas zugelassen, in denen er getestet wurde, sagte Hübers. Das seien Südafrika, Uganda, Simbabwe und Malawi. "Die Einführung in der Bevölkerung muss sehr einfühlsam geschehen." Studien hätten gezeigt, dass Akzeptanz und Anwendung besonders gut klappten, wenn man Vorurteile vorher aufkläre.

Der Ring hat Hübers zufolge zwei entscheidende Vorteile: "Er ist sehr diskret, der Geschlechtspartner kriegt gar nicht mit, ob die Frau ihn benutzt oder nicht, und er hält einen Monat." Er sei also ein Meilenstein für Frauen, die im Risiko lebten, sich mit dem HI-Virus zu infizieren. Neben dem Kondom gibt es für Frauen noch den HIV-Schutz mit Tabletten, die vor dem Geschlechtsverkehr genommen werden. "Aber so wie sie oft nicht die Möglichkeit haben, mit ihren Sexpartnern über das Kondom zu verhandeln, haben sie die Tabletten nicht immer zur Hand."

Die Prävention mit vorhandenen Mitteln sei ausgeschöpft, betont Hübers. Von 2010 bis 2019 sei die Zahl von Neuinfektionen mit dem HI-Virus von 2,1 auf 1,7 Millionen pro Jahr zurückgegangen. Das erklärte internationale Ziel ist es jedoch, die Aids-Epidemie bis zum Jahr 2030 zu beenden. "Wenn wir weitermachen wie bisher, werden wir bei dem Ziel kläglich scheitern." Der Ring kann eine Ansteckung zwar nicht immer verhindern. Studien ergaben laut Hübers einen Schutz von 35 bis 50 Prozent. Aber auch eine Verlangsamung der Infektionsraten um 30 Prozent sei sinnvoll.

Nun sei es wichtig, dass unter anderem auch die Bundesregierung weitere Projekte der Internationalen Partnerschaft für Mikrobizide unterstütze, die auch den Vaginalring vorangebracht habe, sagte Hübers. So arbeite die Kooperationsgemeinschaft zwischen Forschungsinstituten in Industrie- und Entwicklungsländern, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Pharmaunternehmen und privaten Stiftungen an einem Vaginalring, der drei Monate lang halte, und an einem weiteren, der neben einer HIV-Infektion auch eine Schwangerschaft verhindere.