Diakonie-Fachverband: Noch lange kein Kita-Vollbetrieb

Diakonie-Fachverband: Noch lange kein Kita-Vollbetrieb

Nach Einschätzung der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder wird es in Deutschlands Kindertagesstätten noch längere Zeit keinen Vollbetrieb geben. "Wir müssen uns auch im kommenden Kita-Jahr nach den Sommerferien auf eine Kindertagesbetreuung unter Pandemiebedingungen einstellen", sagte der Vorstandschef des Diakonie-Fachverbandes, der Bremer Carsten Schlepper, am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das bedeute für Familien einen andauernden eingeschränkten Regelbetrieb, zwar für alle Kinder, aber mit weniger Betreuungsstunden.

"Die Ansprüche der Familien für einen ansatzweise bedarfsgerechten Stundenumfang für ihre Kinder treffen auf ein System, in dem durch die Pandemie der sowieso schon bestehende Fachkräftemangel verstärkt wird", sagte Schlepper. Einige Beschäftigte könnten nicht in den Präsenzgruppen eingesetzt werden, weil sie zur Risikogruppe gehören. "Deshalb reagieren die Länder mit Ausnahmeregelungen und lassen zu, dass der Personalschlüssel unterschritten und mit unqualifizierten Hilfskräften Engpässe ausgeglichen werden können."

Schlepper sagte, in dieser Situation steige der Druck auf die Kita-Träger, trotz Infektionsgefahren das Angebot der Einrichtungen so nahe wie möglich an den vertraglich vereinbarten Betreuungsumfängen der Familien auszurichten. Der Bremer Kita-Experte warnte: "Unter Pandemie-Bedingungen kann die Betreuung nicht unter Wegfall von fachlichen Standards in einen wie immer gearteten Vollbetrieb überführt werden."

Klar müsse sein, dass die derzeitige Krise nicht zu einer schleichenden und dauerhaften Absenkung fachlicher Standards führen dürfe. Politik, Aufsichtsbehörden, Träger und Elternvertreter müssten sich deshalb konzeptionell abstimmen und befristete Vereinbarungen speziell zur Kita-Betreuung unter Pandemiebedingungen schließen. Helfen könne dabei eine verbesserte digitale Ausstattung, um bei Krisen dieser Art Kinder und Familien besser erreichen und den Austausch zwischen den Kita-Teams optimaler gestalten zu können.

Die Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder ist eine Fachgliederung der Diakonie. Sie vereint 19 Mitgliedsverbände mit bundesweit 9.800 Einrichtungen. Dort arbeiten den Angaben zufolge mehr als 115.000 Beschäftigte für 550.000 Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren.

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