Corona-Pandemie verschärft Konflikte weltweit

Corona-Pandemie verschärft Konflikte weltweit
Friedensforscher sehen Chancen für eine Stärkung Europas und den Klimaschutz
Die Corona-Krise bringt die Waffen nicht zum Schweigen, sondern führt vielerorts zu neuer Gewalt und Armut. Die Hauptlast der Pandemie tragen die Länder des Südens, betonen Friedensforscher. Zugleich fordern sie eine entschiedene Klimapolitik.

Die Corona-Pandemie hat laut führenden Friedensforschern alarmierende Auswirkungen auf Krisenherde in der Welt. Die Bundesregierung müsse sich deshalb intensiv für die friedliche Überwindung von Gewaltkonflikten einsetzen, sagte der Bonner Friedensforscher Conrad Schetter vom International Center for Conversion (BICC) bei der Vorstellung des Friedensgutachtens 2020 in Berlin.

Die an dem Gutachten beteiligten vier Forschungsinstitute rufen die Bundesregierung zugleich dazu auf, die Corona-Krise auch als Chance für eine Stärkung Europas und für eine entschiedene Klimapolitik zu nutzen. Mit Blick auf den Isolationismus der USA müsse über eine Sicherheits- und Friedenspolitik "jenseits der Nato" diskutiert werden, sagte Schetter.

Klimawandel verschärft Konflikte

Besonders wichtig sei eine Debatte über die nukleare Teilhabe Deutschlands, hob Nicole Deitelhoff vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) hervor. Den von US-Präsident Donald Trump angekündigten Teilabzug von US-Truppen aus Deutschland wertete sie "vor allem als Wahlkampfgetöse". Deitelhoff riet erst einmal zu Ruhe und Gelassenheit.

Die Bewältigung der Corona-Krise sollte laut den Friedensforschern auch als Chance genutzt werden, Schritte zu einer nachhaltigen Klimapolitik zu unternehmen. Denn der Klimawandel könne in vielen Regionen zu Konflikten führen oder diese verschärfen, etwa in Ost- und Westafrika, sagte Schetter.

Soziale Verwerfungen, neue Fluchtbewegungen

Die Friedensforscher plädieren für eine globale Strategie der Bundesregierung, die multilaterale Institutionen stärkt und zivile Krisenprävention zum Leitbild erhebt. "Corona endet nicht an den europäischen Außengrenzen", betonte Schetter. In Afghanistan, Mali oder am Tschadsee breche neue Gewalt aus. Militär und Polizei zögen sich aus der Fläche zurück, während dschihadistische und lokale Milizen auf dem Vormarsch seien.

Eine Folge seien neue dramatische Fluchtbewegungen. Gleichzeitig seien internationale Friedensmissionen erschwert. "Die weltweite Krisendiplomatie kocht auf Sparflamme", sagte Schetter. Trotz des Aufrufs von UN-Generalsekretär António Guterres zu einem globalen Waffenstillstand gingen die Kämpfe in Libyen, Syrien oder Jemen unvermindert weiter. Friedensverhandlungen wie in Afghanistan kämen wegen der Corona-Krise zum Erliegen.

Zugleich führe die Corona-Pandemie zu neuen sozialen Verwerfungen wie einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. So befürchte das Welternährungsprogramm eine Verdopplung der Zahl der Hungernden auf der Welt. Die Hauptlast trügen die Länder des Südens, sagte Schetter. Globale Hilfspakete seien notwendig.

Das Friedensgutachten erscheint jährlich seit 1987. Beteiligt sind die Friedensforschungsinstitute Bonn International Center for Conversion (BICC), das Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) sowie das Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen.

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