Minister Müller: Corona-Impfstoff für alle Menschen zugänglich machen

Minister Müller: Corona-Impfstoff für alle Menschen zugänglich machen
Hilfswerke fordern höheren deutschen Beitrag für Impfallianz Gavi
Der sehnlichst erwartete Corona-Impfstoff soll so rasch wie möglich allen Menschen überall auf der Welt angeboten werden. Das fordert Entwicklungsminister Müller vor der Geberkonferenz der Globalen Impfallianz am Donnerstag.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) setzt sich dafür ein, die dringend erwarteten Impfstoffe gegen das Coronavirus allen Menschen zugänglich zu machen. "Wir wissen zwar noch nicht, wer die erfolgreichen Impfstoffansätze haben wird. Aber klar ist: Sie müssen überall verfügbar sein", betonte Müller am Mittwoch in einem gemeinsamen Appell mit dem Geschäftsführer der Globalen Impfallianz (Gavi), Seth Berkley, auf "Focus online". "Jeder Mensch muss die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen - egal ob in Köln oder Kampala, ob arm oder reich", fügten die beiden mit Blick auf die Gavi-Geberkonferenz an diesem Donnerstag hinzu.

Leider zeige die Erfahrung, dass Impfstoffe oft erst mit Verzögerung in Entwicklungsländern ankämen. "Das muss dieses Mal anders laufen", fordern Müller und Berkley. Sie verwiesen auf die humanitäre Verantwortung und den Schutz der Gesundheit vor Corona: "Niemand kann sich in Sicherheit wähnen, bis alle sicher sind." Mit der Wiederauffüllung des Fonds der Impfallianz würden wichtige Weichen zur Überwindung der Corona-Krise und zur Vorbereitung auf die nächste Pandemie gestellt.

Die vor 20 Jahren gegründete Impfallianz Gavi unterstützt die Forschung und Impfprogramme gegen vermeidbare Krankheiten in 73 Ländern. Die Allianz hofft auf neue Mittel in Höhe von mindestens 7,4 Milliarden US-Dollar (6,6 Milliarden Euro) für die Zeit von 2021 bis 2025. Ziel ist, weitere 300 Millionen Jungen und Mädchen gegen vermeidbare Krankheiten impfen zu können.

Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" forderte die Staaten auf, von den Pharmafirmen den Verkauf künftiger Covid-19-Impfstoffe zum Selbstkostenpreis zu verlangen und einen fairen Verteilmechanismus zu garantieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Staats- und Regierungschefs hätten einen Corona-Impfstoff zu Recht als gemeinschaftliches globales Gut bezeichnet. "Doch wir fürchten, dass er trotz Milliarden öffentlicher Förderung doch nicht für alle gleichermaßen zugänglich sein wird", sagte Marco Alves von "Ärzte ohne Grenzen" in Deutschland.

Die Erfahrung mit einem Gavi-Fonds für einen Impfstoff gegen Lungenentzündung zeige, dass es zwar Subventionen für einige sehr arme Länder gebe, aber viele andere würden weiter der Willkür des Marktes überlassen, erklärte Alves. Sie könnten wegen hoher Preise nicht genug Impfstoff kaufen: "Das darf sich bei Covid-19 nicht wiederholen."

Sieben Entwicklungsorganisationen riefen die Bundesregierung auf, den deutschen Beitrag für Gavi um 100 Millionen auf 700 Millionen Euro zu erhöhen. Nur durch eine Aufstockung könnten Millionen Kinder in den ärmsten Ländern auch während der Corona-Pandemie gegen vermeidbare Krankheiten geimpft werden, erklärten Save the Children, World Vision, Plan und vier weitere Initiativen. Schon jetzt sei die Zahl der Routine-Impfungen zurückgegangen. "Wir schlagen Alarm: Millionen von Kindern fehlt der Schutz vor vermeidbaren Krankheiten", warnten die Organisationen. "Masern, Lungenentzündungen oder schwere Durchfallerkrankungen dürfen heutzutage kein Todesurteil sein - auch nicht in Zeiten von Corona."

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