Bangladesch: Alarm nach Corona-Fall in Rohingya-Camp

Bangladesch: Alarm nach Corona-Fall in Rohingya-Camp
Deutschland stockt Hilfe auf
Das Coronavirus hat ein riesiges Flüchtlingslager in Bangladesch erreicht. Drückende Enge, unzureichende hygienische und medizinische Versorgung könnten eine Ausbreitung von Covid-19 beschleunigen.

Die Vereinten Nationen und humanitäre Partnerorganisationen sind alarmiert über das Auftauchen des Coronavirus in einem Rohingya-Flüchtlingslager in Bangladesch. Im Camp Kutapalong sei ein erster Flüchtling positiv auf das Virus getestet worden, teilte der Sprecher des Hilfswerks UNHCR, Andrej Mahecic, am Freitag in Genf mit. Zudem habe sich ein Bewohner der Region infiziert. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kündigte an, die Hilfe für die Flüchtlinge in der Region aufzustocken.

Kutapalong gilt als größtes Flüchtlingslager der Welt, nach Angaben des Norwegischen Flüchtlingsrates lebten dort 2019 rund 630.000 Kinder, Frauen und Männer. Seit Anfang April würden Flüchtlinge auf den Erreger getestet, betonte der Sprecher. Die Hilfsorganisationen der Region Cox's Bazar, wo viele Flüchtlinge ausharrten, hätten ihre Abwehrmaßnahmen gegen eine Ausbreitung intensiviert. Das Kinderhilfswerk Unicef wolle bis Ende Mai ein Isolierungs- und Behandlungszentrum mit 210 Betten für Patienten mit der Atemwegserkrankung Covid-19 erreichten.

Die Bundesregierung wird ihre finanzielle Hilfe von 15 Millionen auf 25 Millionen Euro für das laufenden Jahr erhöhen. "Wir müssen jetzt gezielt unsere Partner vor Ort ausrüsten und alles tun, um eine weitere Ausbreitung des Virus in den Camps zu verhindern", erklärte Minister Müller am Freitag in Berlin. Vor allem gehe es darum, gemeinsam mit dem UN-Kinderhilfswerk Unicef die Lage der mehr als 400.000 Kinder zu verbessern.

In den überfüllten Camps sei es kaum möglich, den nötigen Sicherheitsabstand zu wahren, erklärte die Hilfsorganisation Care. Das sei Anlass zu großer Sorge. Die Menschenrechtsorganisation Fortify Rights forderte die Regierung auf, bestehende Quarantäne-Einrichtungen zu nutzen, um gefährdete Rohingya zu schützen.  

Im Distrikt Cox's Bazar im Südosten von Bangladesch haben etwa eine Million muslimische Rohingya aus dem Nachbarland Myanmar Zuflucht gefunden. Allein 740.000 sind seit Ende August 2017 vor einer brutalen Offensive der myanmarischen Armee über die Grenze geflohen.  

"In Cox's Bazar leben auf jedem Quadratkilometer 40.000 Menschen, fast vier Mal so viele wie in New York City", sagte die Care-Regionaldirektorin für Asien, Deepmala Mahla. Verbunden mit der unzureichenden hygienischen und medizinischen Versorgung könne dies eine Ausbreitung von Covid-19 beschleunigen. Die internationale Gemeinschaft müsse in Bangladesch arbeitende Hilfsorganisationen finanziell unterstützen.  

Seit Wochen warnen Helfer und Menschenrechtler vor erhöhten Infektionsrisiken für die Rohingya. Im April hatten die Behörden den gesamten Distrikt Cox's Bazar abgeriegelt. Nur eine medizinische Notfallversorgung sowie das Verteilen von Nahrungsmitteln an die Flüchtlinge wurde beibehalten.  

Das Entwicklungsministerium arbeite an einer Verbesserung der sanitären Lage durch ein Kanalsystem und Kläranlagen, hieß es. Auch für den Aufbau von Gesundheitsstrukturen und die Ernährungssicherung setze man sich ein. Die Enge und Hygienebedingungen in den Lagern seien erschütternd. "Wir brauchen Seife und andere Hygieneartikel, Toiletten und Einrichtungen zum Händewaschen", erklärte Minister Müller. "Momentan schwimmen die Abwässer quer durch die Lager." Müller hatte die Lager im Februar besucht.

Derweil rettete Bangladeschs Küstenwache Hunderte Rohingya-Bootsflüchtlinge. Die meisten hatten versucht, den überfüllten Camps zu entfliehen und nach Malaysia zu gelangen. Dort waren sie abgewiesen worden und auf See gestrandet. 300 von ihnen wurden in ein Camp auf das von Menschenrechtlern als "Gefängnisinsel" bezeichnete Eiland Bhasan Char gebracht.

epd her/ng/nam et

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