Psychologe: Corona-Krise verstärkt Ängste

Psychologe: Corona-Krise verstärkt Ängste
Frankfurter Psychologen richten Krisentelefon ein
28.03.2020
epd-Gespräch: Jens Bayer-Gimm
epd

Die Corona-Krise verstärkt nach den Worten des Frankfurter Psychologen Ulrich Stangier psychische Störungen. Die Ambulanz des Zentrums für Psychotherapie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main stelle fest, dass die Nachrichten über das Coronavirus und die sozialen Einschränkungen Depressionen und Ängste bei Patienten verschärften, sagte der Leiter des Zentrums dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Zentrum für Psychotherapie bietet daher ab Montag für das Rhein-Main-Gebiet Beratung und therapeutische Kurzinterventionen über ein Corona-Krisentelefon an.

Dieses wendet sich, ergänzend zu den Angeboten des Gesundheitsamtes und der Telefonseelsorge, an Personen, die eine individuelle Beratung wegen psychischer Belastung wünschen. Zur Zielgruppe gehören auch Personen mit Vorerfahrungen in Psychotherapie, die in der gegenwärtigen Krisensituation von einer Wiederauffrischung des Erlernten profitieren können.

Bei vielen Patienten der Ambulanz, die täglich 150 Klienten betreut, schränkten die permanenten Medienberichte die Aufmerksamkeit völlig auf die Bedrohung durch Corona ein, erläuterte Stangier. Die Ungewissheit, soziale Isolierung, Angst vor Verlust der materiellen Lebensgrundlage und gesundheitliche Bedrohung durch eine Infektion verstärkten eine bereits vorhandene düstere Sicht auf die Welt und das persönliche Schicksal. Patienten mit Angststörungen und Depressionen fühlten sich der Corona-Gefahr ausgeliefert. Darüber hinaus gehe durch die Ausgangsbeschränkungen die Strukturierung des Tagesablaufs verloren.

Viele Patienten haben nach den Worten des Psychologen aufgrund der erzwungenen Inaktivität zu Hause viel mehr Zeit zum Grübeln, sehen das Schicksal der Welt und ihr eigenes in schwärzesten Farben. Die Beschäftigung mit der bevorstehenden Katastrophe setze sie emotional "permanent unter Strom", was zu weiteren Symptomen wie psychosomatischen Beschwerden und Schlafstörungen führe. Im Zentrum für Psychotherapie würden die Therapien per Videoübertragung fortgesetzt.

Die Beratung am Krisentelefon diene zunächst einmal der emotionalen Entlastung, erklärte Stangier. Zu den Zielen gehöre auch, konkrete Anregungen zur Strukturierung des Tages zu geben, die Klienten zu aktivieren, einen sozialen Austausch wiederherzustellen und einen ausgeglicheneren Umgang mit den ungewohnten Lebensbedingungen herzustellen. Schließlich könnten die Psychologen auch dabei helfen, Konflikte in Beziehungen zwischen Paaren und Familienmitgliedern zu entspannen.

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