Rabbiner: Corona-Pandemie schränkt jüdisches Leben ein

Rabbiner: Corona-Pandemie schränkt jüdisches Leben ein
20.03.2020
epd
epd-Gespräch: Franziska Hein (epd)

Frankfurt a.M. (epd). Die Corona-Pandemie schränkt auch das jüdische Leben stark ein. "Wir dürfen unsere Gottesdienste nicht mehr in der Synagoge abhalten und wollen jetzt mehr Alternativen online anbieten", sagte der Frankfurter Rabbiner Avichai Apel dem Evangelischen Pressedienst (epd). Doch wegen der religiösen Vorschriften sei es schwierig, etwa zum Schabbat Gottesdienste ins Internet zu übertragen. Im Judentum darf nach der Schabbat-Regel nicht gearbeitet werden, das beinhaltet auch ein Nutzungsverbot für elektronische Geräte.

Rabbiner Apel wird deswegen kreativ. Er feiert freitags jetzt vor Beginn des Schabbat einen Gottesdienst und überträgt ihn im Internet. "Ein Gottesdienst ohne Gemeinde ist zwar kein richtiger Gottesdienst nach jüdischem Ritus, aber das gemeinsame Gebet hilft allen, die Gottes Nähe suchen, der ihnen helfen, sie heilen und retten wird", sagte Apel.

Das wichtigste sei jetzt die Gesundheit. "Die Menschen dürfen das Virus nicht unterschätzen und sich selbst nicht überschätzen. Die Tora sagt ganz deutlich, dass man sich selbst schützen muss", sagte Apel. Auch Jüdinnen und Juden, die sonst eher weniger Kontakt zu Gemeinden suchen, suchten nun Halt und Trost im Glauben und in den Traditionen des Judentums.

Nicht nur beim Schabbat, auch beim anstehenden Pessach-Fest müssen Juden Einschränkungen hinnehmen. Das jüdische Pessach-Fest erinnert an den biblisch überlieferten Auszug der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft. Beim Pessach-Fest, dem Fest der ungesäuerten Brote, dürfen Jüdinnen und Juden eigentlich nur spezielles Brot zu sich nehmen, das meist aus Israel oder den USA importiert wird. Wegen der Grenzschließungen gebe es derzeit Probleme, koschere Lebensmittel nach Deutschland zu liefern, erklärte Apel. Außerdem dürfen in jüdischen Haushalten keine gesäuerten Lebensmittel, zum Beispiel Nudeln aus Weizengrieß, aufbewahrt werden. Apel hat seinen Gemeindemitgliedern nun geraten, diese in einen Schrank einzuschließen und erst wieder zu benutzen, wenn das Pessach-Fest (8. bis 16. April) vorbei ist.

Apel schilderte außerdem, dass die Lage in anderen europäischen Ländern, in denen eine Ausgangssperre gilt, noch weiter erschwert werde. So müssten etwa französische Rabbiner eine Ausnahmegenehmigung beantragen, wenn sie wegen eines Beschneidungsritus das Haus verlassen. Aber bei allen negativen Auswirkungen gebe es auch Hoffnung: Derzeit würden Videos in der jüdischen Community geteilt, die zeigen, wie eine jüdische Hochzeit gefeiert werde: In einem Hof feiern etwa zehn Menschen, der Rest singt und tanzt auf den Balkonen. "Hoffnung bewahrt uns. Wenn wir die Hoffnung verlieren würden, würden wir schwach", sagte Apel. "Wir sind stark und wir haben schon anderes überlebt."