TelefonSeelsorge launcht App "KrisenKompass"

TelefonSeelsorge launcht App "KrisenKompass"
Die TelefonSeelsorge Deutschland startet mit dem "KrisenKompass" eine rein digitale Hilfe für Menschen in suizidalen Krisen.

Die erweiterte App richtet sich an Menschen in der suizidalen Krise, an Angehörige, Kollegen und Freunde, die unterstützen möchten, sowie an Angehörige, die eine Person durch Suizid verloren haben. Mit der App wolle man jene unterstützen, "die sich nicht trauen, mit uns zu sprechen oder uns zu schreiben. Wir hoffen, dass dieses niederschwellige Angebot das Rüstzeug an die Hand gibt, einen Krisenfall besser zu meistern", erklärte Dorothee Herfurth-Rogge, Vorsitzende der Evangelischen Konferenz für TelefonSeelsorge und Offene Tür e.V..

Menschen in einer schwierigen seelischen Lage benötigten eine klare, selbsterklärende Ansprache, da die kognitiven Möglichkeiten überlagert seien. Stefan Schumacher, Projektleiter des "KrisenKompass" und Leiter der TelefonSeelsorge, verwies darauf, dass im "KrisenKompass" Funktionen bereit stünden, die auch in der Psychotherapie genutzt würden, etwa die Aufzeichnung von Stimmungen als Tagebuchfunktion oder das Anlegen eines Safety-Plans. "Er kann in stabilen Momenten angelegt werden und ist sehr hilfreich, wenn man weiß: In der Krisensituation kann ich darauf zurückgreifen", so Schumacher. "Als Erste-Hilfe-Koffer für den Notfall" könne man in der App zudem persönliche Archive anlegen, um aufbauende Gedanken oder persönliche Fotos, Erinnerungen oder Lieder zu speichern. Erläuterungen von Entspannungstechniken sowie Kontakte für den Notfall wie TelefonSeelsorge und andere professionelle Anlaufstellen gäben konkrete Hilfestellungen für eine Krise.

103.000 Gespräche in enem Jahr

2019 wurde den Angaben zufolge wurden Suizidabsicht, Suizidversuch, Suizidgedanken und Suizid eines anderen in 103.000 der Gespräche der TelefonSeelsorge thematisiert (Telefon, Mail, Chat und vor Ort). Davon seien mehr als 23 Prozent der Gespräche mit Jugendlichen und Kindern bis 29 Jahren geführt worden. Besonders die digitalen Wege würden genutzt: Konkret waren 68,2 Prozent aller Chatgespräche und 61,4 Prozent Mails zum Thema Suizidalität mit dieser Altersgruppe.

Als eine der ersten Suizidpräventionsmaßnahmen des Landes wurde die TelefonSeelsorge 1956 gegründet. Um den Zugang möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, steht sie rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr bereit. Die Seelsorge ist ideologisch, konfessionell und politisch unvoreingenommen. Über vier Wege ist die TelefonSeelsorge zu erreichen: Telefon, Mail, Chat und in einigen Städten vor Ort. 2019 wurden 932.100 Telefonate, 49.951 Vor Ort- und 19.540 Chatgespräche geführt sowie 34.795 Mails geschrieben. Die Telefonnummern 0800/1110111 und  0800/1110222 sind gebührenfrei.

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