Bischof Bode will Frage der Weiheämter für Frauen offenhalten

Bischof Bode will Frage der Weiheämter für Frauen offenhalten

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode will die Frage der Weiheämter für Frauen in der katholischen Kirche trotz der Absage aus Rom weiter offenhalten. Die Argumente dafür sollten weiter vorgebracht werden, sagte Bode am Mittwoch. "Der Glaube muss sich vor der Vernunft verantworten." Unabhängig davon könnten Frauen in der Verkündigung schon jetzt eine größere Rolle spielen. Dafür habe der Papst den Raum eher noch erweitert, sagte Bode. Er wolle in dieser Frage auch nicht auf die Deutsche Bischofskonferenz warten, sondern Ideen aus eigenen Gremien umsetzen.

Bode erläuterte gemeinsam mit Experten, inwieweit ein vor einem Jahr präsentiertes Konzept für den Umgang mit sexualisierter Gewalt in seinem Bistum bereits umgesetzt ist. Mehr als 50 Mitarbeitende des Bistums, Fachleute von außerhalb und Betroffene hätten in fünf Arbeitsgruppen Schutzkonzepte und Strategien erarbeitet.

In der Frage der Anerkennungszahlungen für die Opfer plädierte Bode dafür, dass deutlich mehr als die bisherigen symbolischen Beträge gezahlt werden. Die Höhe der Zahlungen sollten in allen Bistümern gleich sein und könnten sich etwa an den Tabellen für Schmerzensgelder orientieren. Er werde in der Vollversammlung der Bischöfe in der kommenden Woche darauf hinwirken. In seinem Bistum würden diese Gelder nicht aus Kirchensteuermitteln, sondern aus dem Vermögen finanziert.

Bode forderte zudem die Einrichtung einer kirchlichen Disziplinargerichtsbarkeit in Deutschland. Die kirchenrechtliche Ahndung von Missbrauchsvergehen sei schwierig, weil es keine abgestuften disziplinarrechtlichen Maßnahmen gebe. Die Taten seien in ihrer Schwere aber unterschiedlich. Es bestehe derzeit nur die Möglichkeit, dass Rom den Täter aus dem Klerikerstand entlasse. Das dauere oft Monate.

Heinz-Wilhelm Brockmann, Sprecher der Monitoringgruppe, die die Arbeitsgruppen kontrolliert und vernetzt, betonte, dass bereits rund 80 Prozent der Gemeinden und Einrichtungen im Bistum wie etwa Kindergärten und Krankenhäuser Schutzkonzepte zur Prävention erarbeitet hätten.

Der Präsident des Osnabrücker Landgerichts, Thomas Veen, sagte, ferner sei eine Handlungsanweisung für den Umgang mit Verdachtsfällen erarbeitet worden. In den Gesprächen mit den Betroffenen sollten Seelsorger, Therapeuten und andere mögliche Vertrauenspersonen darauf hinwirken, dass die Betroffenen ihre Vorwürfe auch der Institution Kirche und den Staatsanwaltschaften meldeten, sagte Veen, der ebenfalls Sprecher der Monitoringgruppe ist.

Eine übergreifende Arbeitsgruppe beschäftigt sich den Angaben zufolge mit systemischen Grundsatzfragen wie der Rolle der Frau, der Machtverteilung und dem Umgang mit Sexualität. In dieser Gruppe sei unter anderem die Idee entstanden, Frauen mehr Raum in der Verkündigung einzuräumen, erläuterte Michaela Pilters, ehemalige Redaktionsleiterin beim ZDF. Sie bescheinigte dem Bistum Osnabrück, in all diesen Fragen eine Vorreiterrolle unter den deutschen Bistümern einzunehmen.

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