Mindestens 20 Tote bei antimuslimischen Unruhen in Indien

Mindestens 20 Tote bei antimuslimischen Unruhen in Indien

Bei den religiös motivierten Unruhen in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi sind mindestens 20 Menschen getötet und mehr als 250 verletzt worden, wie die Zeitung "Indian Express" am Mittwoch berichtet. Auch am dritten Tag der Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Hindus im Nordosten der Metropole stand das abwartende Verhalten der Polizeikräfte in der Kritik. Der Regierungschef von Neu-Delhi, Arvind Kejriwal, appellierte an Innenminister Amit Shah, die Armee einzusetzen. Die Polizei sei unfähig, die Situation zu kontrollieren. Die Polizeikräfte der 19-Millionen-Einwohner-Stadt unterstehen direkt der Zentralregierung. Es sind die schlimmsten Ausschreitungen in der Hauptstadt seit Jahrzehnten.

Am Dienstag waren trotz Ausgangssperren zwei Moscheen in Brand gesteckt worden. Banden mit Eisenstangen und Stöcken kontrollierten die Straßen und verlangten die Ausweise von Passanten, um Muslime zu finden und zusammenzuschlagen. In Häusern und Geschäften von Muslimen wurde Feuer gelegt. In einem ungewöhnlichen Schritt ordnete ein Gericht in Neu-Delhi Dienstagnacht die Evakuierung von Verletzten aus einem Krankenhauses in einem mehrheitlich von Muslimen bewohnten Viertel an. Zuvor hatten Ärzte von der Polizei Geleitschutz für die Krankenwagen gefordert.

Die Straßenkämpfe in Neu-Delhi begannen am Sonntag, als hindu-nationalistische Kräfte einen relativ friedlichen Sitzstreik der Gesetzesgegner mit Gewalt auflösen wollten. Die Unruhen überschatteten auch den Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump, der am Dienstag zu Ende ging. Die Mehrheit der Inder sind Hindus, die etwa 80 Prozent der fast 1,4 Milliarden Einwohner ausmachen. Die zweitgrößte Religionsgruppe sind Muslime mit etwa 180 Millionen. Unter der hindu-nationalistischen BJP-Partei die seit 2014 Indien regiert, hat sich das einst religiös tolerante Indien gewandelt.

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