Löhne in Berufen mit Fachkräftemangel oft unterdurchschnittlich

Löhne in Berufen mit Fachkräftemangel oft unterdurchschnittlich
Ausgerechnet in Berufen, in denen es an Fachkräften mangelt, werden viele Menschen unterdurchschnittlich bezahlt. Die Gewerkschaft ver.di erklärt das Paradox mit der fehlenden Durchsetzungsfähigkeit bestimmter Arbeitnehmergruppen.

In Berufen mit Fachkräftemangel verdienen die Beschäftigten in Deutschland nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit oft unterdurchschnittlich. Das geht aus einer am Montag bekanntgewordenen Antwort der Bundesagentur auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Demnach liegt das Einkommen in mehreren Mangelberufen einige hundert Euro unter dem mittleren Lohn aller Fachkräfte.

So beträgt das mittlere Einkommen für sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigte Fachkräfte 3.052 Euro brutto im Monat. Von den 52 Berufen, die laut einer Bundesagentur-Analyse Engpässe bei Fachkräften haben, liegt das mittlere Entgelt bei 26 Berufen darunter.

Schlechte Bezahlung habe zu den Mangelsituationen beigetragen, sagte der Tarifexperte der Gewerkschaft ver.di, Norbert Reuter, dem epd. Gerade soziale Berufe wie etwa Altenpflegerinnen seien besonders von Niedriglöhnen betroffen. Denn Fürsorgearbeit habe lange Zeit als Arbeit gegolten, die keine Qualifikationen brauche. "Zudem sind sie vielfach von staatlicher Finanzierung abhängig - und hier wird bis heute viel zu wenig Geld bereitgestellt", erklärte Reuter. Außerdem falle es den Beschäftigten in sozialen Berufen schwer, sich für höhere Löhne einzusetzen.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit erhalten Podologen (Fußpfleger) monatlich 1.862 Euro brutto und damit am wenigsten. Besonders niedrig ist der Lohn auch bei Berufen in der Fleischverarbeitung mit 2.123 Euro brutto. Unterdurchschnittlich vergütet sind außerdem Berufe in der Hörgeräteakustik mit 2.346 Euro und in der Bodenverlegung. Bei Physiotherapeuten sind es den Angaben nach 2.376 Euro.

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann zog aus den Zahlen den Schluss, dass der Fachkräftemangel in vielen Berufen hausgemacht sei. "In Berufen mit niedrigen Löhnen möchten offensichtlich zunehmend mehr Menschen nicht arbeiten", sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Bei den Arbeitgebern müsse ein Umdenken stattfinden.

Nach der Beobachtung des ver.di-Tarifexperten Reuter verbessert sich allmählich die Situation. "Wir sind in vielen Mangelberufen wie zum Beispiel in der Altenpflege, auf einem guten Weg, aber es dauert, alte Strukturen grundlegend zu ändern", sagte er.

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