Mehr als ein Drittel der Abgeordneten für Polen-Denkmal

Mehr als ein Drittel der Abgeordneten für Polen-Denkmal
Historiker Benz plädiert für Dokumentationszentrums über deutsche Besatzungsherrschaft
75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird in Berlin weiter über die richtige Erinnerung an die Opfer der deutschen Besatzungspolitik gerungen.

Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten haben bislang einen Aufruf für einen Ort der Erinnerung an den deutschen Vernichtungskrieg gegen Polen unterzeichnet. Darunter seien Vertreter aller Fraktionen mit Ausnahme der AfD, sagte der Grünen-Abgeordnete Manuel Sarrazin als einer der Initiatoren dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bislang haben sich dem Aufruf 264 von 709 Bundestagsabgeordneten angeschlossen.

Die zum 80. Jahrestag des Überfalls auf Polen im vergangenen September gestartete Initiative wirbt für "einen Ort der Begegnung und Auseinandersetzung", um an Krieg und Besatzung zu erinnern und um Deutsche und Polen zusammenzubringen. Vorschläge für eine konkrete Ausgestaltung enthält der Aufruf nicht. Initiatoren sind neben Sarrazin die Abgeordneten Paul Ziemiak (CDU), Dietmar Nietan (SPD), Thomas Nord (Linke) und Alexander Müller (FDP).

Der Aufruf stehe nicht im Gegensatz zu der bereits im November 2017 bekanntgewordenen zivilgesellschaftlichen Initiative für ein Polen-Denkmal am früheren Anhalter-Bahnhof in Berlin, sagte Sarrazin weiter. Vielmehr sei er als Ergänzung zu sehen.

Zu den Initiatoren für ein "Polen-Denkmal in der Mitte Berlins" gehören die Ex-Bundestagspräsidenten Rita Süssmuth (CDU) und Wolfgang Thierse (SPD), der ehemalige Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama, und der ehemalige Direktor des Deutschen Polen-Instituts, Dieter Bingen. Ende Januar fanden sich 137 Unterzeichner auf der Unterstützerliste, darunter auch Abgeordnete, die den Aufruf im Bundestag unterschrieben haben. Mit dem Denkmal soll an die polnischen Opfer der deutschen Besatzung zwischen 1939 und 1945 erinnert werden.

Der Berliner Historiker Wolfgang Benz warnt dagegen vor einer Nationalisierung des Gedenkens. "Eine Nation mit einem Denkmal hervorzuheben, das zieht weitere Forderungen anderer nach sich", sagte Benz dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Benz betonte, eine Würdigung der Opfer des deutschen Vernichtungskrieges im Osten, insbesondere in Polen und der Sowjetunion, sei dringend geboten. Allerdings bestehe mit der Initiative für ein Polen-Denkmal "die Gefahr einer Nationalisierung des Gedenkens". So gebe es auch bereits die Forderung nach einem Ukraine-Denkmal.

Benz plädiert dafür, das "Gedenken durch Denkmale" durch den Bau eines Dokumentationszentrums über die deutsche Besatzungsherrschaft in Europa zwischen 1939 und 1945 zu ergänzen. Dies könne ein "Ort der historischen Aufklärung und der Bildung für Menschen aus allen europäischen Staaten werden".

Benz, der auch Sprecher des Beirates der Stiftung Denkmal der ermordeten Juden Europas ist, hofft auf einen entsprechenden Beschluss des Bundestages mit Blick auf den 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai. Erste positive Signale habe er aus mehreren Fraktionen erhalten.

Die Bundeszentrale für politische Bildung lädt für Dienstag zu einer Podiumsdiskussion über das Thema nach Berlin ein. Sie steht unter der Fragestellung "Wie weiter mit dem Gedenken an die Opfer der deutschen Besatzung in Polen?".

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