TV-Tipp: "Bad Banks" (ZDF)

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TV-Tipp: "Bad Banks" (ZDF)
8.2., ZDF, 21.45 Uhr
"Bad Banks" hat 2018 und 2019 alle wichtigen TV-Preise gewonnen. Mehr noch als die Produktionen für Netflix ("Dark", "Dogs of Berlin") und Amazon ("You Are Wanted", "Beat") hat die Serie gemeinsam mit "Babylon Berlin" (Sky/ARD) ein Zeichen gesetzt: Auch deutsche Sender und Produktionsfirmen sind in der Lage, großes Fernsehen für den Weltmarkt herzustellen. Aber kann es gelingen, diesen Erfolg zu wiederholen, womöglich zu übertrumpfen?

Die Autoren von "Babylon Berlin" konnten bei ihrer Fortsetzung immerhin auf einen weiteren Roman von Volker Kutscher zurückgreifen, zumal die 1920er-Jahre ohnehin ein unerschöpflicher Fundus sind. Bei "Bad Banks" lagen die Dinge anders: Das mächtige Bankhaus Deutsche Global Invest (DGI) war am Ende, den Protagonisten rund um die junge Investmentbankerin Jana Liekam (Paula Beer) ging es nicht besser. Aber weil die Bank - wie ihre Vorbilder im wahren Leben - gerettet worden ist, geht es für Jana und ihre Mitstreiter Adam (Albrecht Schuch) und Thao (Mai Duong Kieu) weiter, wenn auch erstmal ganz unten; und natürlich will das Trio wieder nach oben.

Um nicht erneut nur von Aufstieg und Fall zu erzählen, führt Oliver Kienle neben dem Ehrgeiz ein weiteres Antriebsmotiv ein: Rache. Damit hat der Autor schon mal eine der wichtigsten Fortsetzungsherausforderungen gemeistert: Hauptfiguren sollen sich zwar treu bleiben, müssen aber in gewissem Sinn neu erfunden werden. Das lässt sich am leichtesten erreichen, indem sie in eine neue Umgebung versetzt werden: Die Global Invest reagiert auf die digitalen Veränderungen, die auch das vor dem Geschäft mit dem großen Geld nicht Halt machen, mit der Gründung eines Start-up-Clusters; natürlich in Berlin. Jana will runter vom Abstellgleis und sieht in diesem "Inkubator" (Brutkasten) ihre Zukunft, hat aber die Rechnung ohne Christelle Leblanc (Désirée Nosbusch) gemacht: Ihre frühere Förderin soll kaltgestellt werden und will sich rächen; als Werkzeug ihrer Rache soll Jana fungieren, die sie aufgrund ihrer Verstöße gegen alle möglichen Gesetze in der Hand hat.

Während das Jonglieren mit riesigen Summen in der ersten Staffel für Jana, Adam und Thao nur ein Spiel war, geht es für die drei nun um alles. Hinzu kommt, dass sie niemandem mehr trauen können, weil jeder gegen jeden intrigiert und alle ein doppeltes Spiel spielen. Natürlich mischt auch Janas Lehrmeister Gabriel Fenger (Barry Atsma) wieder mit. Der charismatische Investmentchef war vorübergehend in Untersuchungshaft und entpuppt sich nun als Gegenspieler, als sie ein vielversprechendes junges Unternehmen in den Inkubator holt: GreenWallet ist eine finanztechnologische Startup-Firma, die Anlegern hilft, ihr Geld nachhaltig zu investieren; Fenger ist bei der Konkurrenz eingestiegen. Jana, von Paula Beer wieder vorzüglich als Alice im finsteren Wunderland verkörpert, kann endlich das Richtige tun – bis sie gezwungen wird, die Seiten zu wechseln; und dann gerät plötzlich bis hin zu einem Todesfall alles außer Kontrolle.

Die Welt der Hochfinanz ist durch die Digitalisierung ungleich komplizierter geworden. Diese Entwicklung ist auch an "Bad Banks" nicht spurlos vorübergegangen: Die Dialoge sind noch komplexer und zudem oft auf Englisch, was angesichts der komplizierten Materie oft zur Lektüre der Untertitel zwingt. Die Faszination der zweiten Staffel resultiert jedoch vor allem aus den Figuren: Kienle hat dafür gesorgt, dass sich die vermeintlich kühl kalkulierenden Karrieristen allesamt von Emotionen leiten lassen, weshalb es neben den beruflichen Themen immer wieder auch kurze Ausflüge ins Privatleben gibt. Diese Exkurse wirken zunächst wie Ablenkungen, nehmen später jedoch entscheidenden Einfluss auf wichtige Entscheidungen. Zweites großes Thema neben der Rachsucht ist der Generationenkonflikt: Die alte Führungsriege (vortrefflich verkörpert von Tobias Moretti, Germain Wagner und Jean-Marc Barr) will den Fortschritt aussitzen, die Jungen wollen die Entwicklung vorantreiben. Diesen Interessenskonflikt spitzt Kienle in den Konfrontationen zwischen Leblanc und Jana zu. Reizvoll ist auch die Ergänzung des Ensembles um neue Mitwirkende, allen voran Trystan Pütter als junger Finanzminister, der die Banken wieder von der Leine lassen will, und Noah Saavedra als GreenWallet-Gründer Ben Kaufmann, den mit Jana mehr als nur ökonomische Interessen verbinden. Heimlicher Star der Serie ist diesmal allerdings nicht Atsma, sondern Désirée Nosbusch, die die perfekte Ausstrahlung für die Figur der kaltblütigen Intrigantin mitbringt.

Regisseur Christian Schwochow hat bei "Bad Banks" gemeinsam mit Kameramann Frank Lamm auch optisch Maßstäbe gesetzt. In dieser Hinsicht gibt es die größte Veränderung: Regie führte nun Christian Zübert, die Bildgestaltung oblag Ngo The Chau, einem der besten seines Fachs, sowie Moritz Kaethner. Dessen Langfilmografie ist zwar noch sehr überschaubar, aber ein qualitativer Unterschied ist nicht zu erkennen, selbst wenn der Stoff für Zübert, für "Neue Vahr Süd" (als Autor) sowie einen "Tatort" ("Nie wieder frei sein") 2011 gleich zweimal mit dem Grimme-Preis geehrt, eher ungewöhnlich ist. Der Aufwand scheint ohnehin noch größer zu sein; die zweite Staffel war mit rund 10 Millionen Euro angeblich sogar 2 Millionen teurer als die erste. Das ZDF zeigt die Serie jeweils in Doppelfolgen heute (21.45 Uhr), morgen und übermorgen (jeweils um 22.15 Uhr). In der Mediathek steht bereits die komplette Staffel.

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