Aufarbeitung von Missbrauch: Rörig fordert Kirche zum Handeln auf

Aufarbeitung von Missbrauch: Rörig fordert Kirche zum Handeln auf

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die katholischen Bistümer aufgefordert, jetzt eine Entscheidung zur unabhängigen Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Kirche zu treffen. Auch die Frage der Entschädigung müsse endlich geklärt werden, sagte Rörig der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" (Mittwoch). "Eine längere Hängepartie ist den Betroffenen nicht weiter zumutbar." Der Missbrauchsskandal war vor zehn Jahren mit der Aufdeckung von Missbrauchsfällen am katholischen Canisius-Kolleg in Berlin ins Rollen gekommen.

Bei der Aufarbeitung des Missbrauchs sei die katholische Kirche noch in der Anfangsphase, sagte Rörig. "Das Ziel einer unabhängigen Aufarbeitung in allen Bistümern hat sie noch nicht erreicht." Er habe mit Stephan Ackermann, dem für die Aufarbeitung zuständigen Bischof von Trier, eine "Gemeinsame Erklärung" erarbeitet, die den Bischöfen vorliege, sagte Rörig. "Ich hoffe, es gelingt Bischof Ackermann, die 26 Ortsbischöfe von dieser Erklärung zu überzeugen." Auch in den Ordensgemeinschaften mangele es zum großen Teil noch an der Aufarbeitung.

Rörig betonte, die Kirche sei wie jede andere Institution verpflichtet, mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten. Die katholische Kirche habe schon lange entsprechende Leitlinien. Ende 2019 habe sie eine Ordnung mit Gesetzeskraft verabschiedet, die den Umgang mit der Staatsanwaltschaft regele. "Das war wichtig", sagte er.

Ende Januar 2010 hatte der Leiter des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, Missbrauchsfälle an dem Internat aus den 1970er und 80er Jahren öffentlich gemacht. Das löste deutschlandweit Erschütterung aus. In der Folge wurden zahlreiche weitere Fälle in der katholischen und evangelischen Kirche, an der hessischen Odenwaldschule und anderen Internaten sowie in Sportvereinen und weiteren Einrichtungen bekannt.

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