Gemeinde kritisiert Beendigung eines Kirchenasyls durch Behörden

Gemeinde kritisiert Beendigung eines Kirchenasyls durch Behörden

Nach der Auflösung eines Kirchenasyls in Gelsenkirchen durch die Ausländerbehörde hat sich die Evangelisch Freikirchliche Gemeinde Gelsenkirchen-Buer besorgt über Perspektive des jungen Mannes aus Afghanistan geäußert. Der Mann befinde sich derzeit in einem geschlossenen Camp in Dänemark, sagte Pastor Manuel Linke am Donnerstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wir befürchten, dass er direkt nach Afghanistan abgeschoben wird", sagte er. Am Montag hatte die Ausländerbehörde der Stadt Gelsenkirchen einen jungen Mann aus Afghanistan aus dem Kirchenasyl von Räumlichkeiten der Gemeinde herausgeholt und über den Flughafen Frankfurt am Main abgeschoben.

Es wäre wichtig, dass der junge Mann einen Folgeantrag stellen könne, erklärte der Pastor. Das sei jedoch aufgrund seiner aktuellen Situation nicht möglich, da er keine juristische Unterstützung vor Ort habe. Die Rückführaktion sei unangekündigt und überraschend gekommen, kritisierte Linke. Vier Männer hätten sich am Montagmorgen um fünf Uhr mit einem Schlüsseldienst Zugang zu dem Gebäude verschafft.

Der junge Mann aus Afghanistan befand sich nach Angaben Linkes seit Juli 2019 im Kirchenasyl der freikirchlichen Gemeinde. Kurz darauf habe die Gemeinde auch seinen Bruder sowie seine Eltern aufgenommen. Die Familienmitglieder hätten Anfang November nach einem Gerichtsurteil das Kirchenasyl verlassen können. Der junge Mann habe im Kirchenasyl bleiben müssen, weil er anders als seine Angehörigen eine verlängerte Überstellungsfrist überdauern müsse, um ins reguläre Asylverfahren zu gelangen zu können.

Das Ökumenische Netzwerk Asyl in der Kirche kritisierte die Beendigung des Kirchenasyls durch die Ausländerbehörde als Tabubruch. Es gelte seit 1995 eine Verabredung mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung, dass Kirchenasyle respektiert und nicht behördlicherseits gebrochen werden sollen. Die Aufhebung des Kirchenasyls zeuge von der "immer restriktiveren Umsetzung einer inhumanen Abschiebepraxis", erklärte Benedikt Kern vom Ökumenischen Netzwerk Asyl in der Kirche in NRW. Die Ausländerbehörde Gelsenkirchen nahm zu den Vorwürfen zunächst nicht Stellung.

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