Präses Rekowski: Verbote dürfen in Klimadebatte kein Tabu sein

Präses Rekowski: Verbote dürfen in Klimadebatte kein Tabu sein
15.01.2020
epd-Gespräch: Ingo Lehnick
epd

Um den Klimaschutz voranzubringen, dürfen nach Ansicht des rheinischen Präses Manfred Rekowksi auch Verbote kein Tabu sein. "Es geht ja nicht darum, das Leben madig zu machen, sondern darum, die Grundhaltung zu verändern", sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bad Neuenahr dem Evangelischen Pressedienst (epd).

"Je unentschlossener wir handeln, desto drastischere Veränderungen sind nötig", mahnte der 61-jährige Theologe. "Deshalb brauchen wir ein großes Maß an Entschlossenheit." Sonst drohten weitreichende und unumkehrbare Konsequenzen aus dem Klimawandel. "Überall braucht es die Bereitschaft, über Veränderungen nachzudenken", betonte der 61-Jährige, der seit 2013 an der Spitze der zweitgrößten deutschen Landeskirche steht. "Die junge Generation hält uns das konsequent vor."

Positiv äußerte sich Rekowski zu Anreizen für mehr Umwelt- und Klimaschutz. Allerdings gebe es kein Patentrezept und auch die soziale Dimension müsse im Blick behalten werden, sagte der rheinische Präses mit Blick auf den Greenpeace-Vorschlag zur Einführung einer Tierwohlabgabe, um die Agrarwende zu fördern. "Es müsste eine angemessene Grundversorgung der Menschen sichergestellt werden, um zum Beispiel Altersarmut zu vermeiden."

Von der Einsicht in die Notwendigkeit von mehr Klimaschutz auch zu konkretem Handeln zu kommen, ist nach Rekowskis Erfahrung gemeinsam mit Anderen leichter. "Man kann sich gegenseitig inspirieren, unterstützen und auch animieren, den Lebensstil zu verändern", erläuterte er und nannte als Beispiel die Aktion "Autofasten", bei der Menschen in der Fastenzeit ihr Auto stehen lassen. "In Wuppertal habe ich jahrelang ohne Auto gelebt, auch als Superintendent", sagte der Theologe. "Man muss dann anders planen und ist manchmal langsamer unterwegs als sonst, aber auch stressfreier."

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