Mitbegründer von "Extinction Rebellion" relativiert den Holocaust

Mitbegründer von "Extinction Rebellion" relativiert den Holocaust

Einer der Mitbegründer der internationalen Klimaschutzbewegung Extinction Rebellion, Roger Hallam, hat den Holocaust relativiert. Genozide habe es in den vergangenen 500 Jahren immer wieder gegeben, sagte der Brite der Wochenzeitung "Die Zeit" laut Vorabmeldung. "Um ehrlich zu sein, könnte man sagen: Das ist fast ein normales Ereignis." Auch der Holocaust sei für ihn "just another fuckery in human history", erklärte Hallam - "nur ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte".

Die "Zeit" hatte den 53-jährigen Briten in dessen Heimat Wales für einen Beitrag besucht. Hallam hatte bereits in der Vergangenheit Parallelen zwischen dem Umgang mit dem Holocaust und dem Klimawandel gezogen. Er sagte der "Zeit", er halte die deutsche Haltung zum Holocaust für schädlich. "Das Ausmaß dieses Traumas kann lähmen", sagte er. "Das verhindert, dass man daraus lernt."

Die deutsche Sektion von Extinction Rebellion distanzierte sich von Hallam und dessen Äußerungen zum Holocaust. "Seine Aussage ist in Diktion wie Inhalt für XR Deutschland nicht tragbar", erklärte Extinction Rebellion Deutschland am Mittwoch in Berlin. Hallams "verharmlosende und relativierende Äußerungen zum Holocaust" seien in keiner Weise mit den deutschen Aktivisten der Klimabewegung abgesprochen: "Er ist kein Sprecher für XR Deutschland."

Als öffentliches Gesicht von XR in England habe sich Hallam "dort als polemischer und provokativer Sprecher der Bewegung einen Namen gemacht", hieß es in der Erklärung weiter. Seit einigen Monaten polarisiere er mit seinen Aussagen auch intern die Bewegung. Extinction Rebellion bezeichnet sich selbst als eine dezentrale und autonom agierende Bewegung, die mit zivilem Ungehorsam gegen die ökologische Krise vorgeht.

Außenminister Heiko Maas (SPD) reagierte auf Twitter auf die Aussage Hallams. "Der Holocaust ist mehr als Millionen Tote und grausame Foltermethoden. Jüdinnen und Juden industriell zu ermorden und ausrotten zu wollen, ist einzigartig unmenschlich. Das muss uns immer bewusst sein, damit wir sicherstellen: nie wieder!", erklärte er über den Kurznachrichtendienst.

Grünen-Chef Robert Habeck sagte der "Bild"-Zeitung (Donnerstag), für Antisemitismus oder Relativierung des Holocaust dürfe es in keiner Bewegung einen Platz geben. Auch der ehemalige SPD-Vorsitzende Martin Schulz verurteilte Hallams Aussage. "Der industrielle Mord an Jüdinnen und Juden war das unmenschlichste Verbrechen aller Zeiten! Die Erinnerung daran lähmt uns nicht. Sie hilft uns, Faschismus zu verhindern", schrieb er auf Twitter.

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