Jerusalemer Hospital: Finanzkrise gefährdet Patienten

Jerusalemer Hospital: Finanzkrise gefährdet Patienten

Das Auguste Victoria Hospital in Ost-Jerusalem ist in einer Finanzkrise: Durch ausstehende Zahlungen von Patientenrechnungen in Höhe von umgerechnet 45 Millionen Euro durch die palästinensischen Behörden könne die medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet werden, heißt in einer am Dienstag vom Lutherischen Weltbund (LWB) in Genf verbreiteten Erklärung der Hospitalleitung. Die Klinik könne zurzeit weder Medikamente noch medizinische Geräte für notwendige Behandlungen kaufen. Damit werde die Gesundheit vor allem von Kindern und Frauen aufs Spiel gesetzt.

Das Auguste Victoria Hospital spielt seit mehr als 70 Jahren eine zentrale Rolle für die medizinische Versorgung der rund fünf Millionen Palästinenser im Westjordanland und Gazastreifen. Die Klinik ist spezialisiert auf die Behandlung von Krebserkrankungen und die Blutwäsche von Kindern. Das Hospital ist in der Region bekannt für seine hohen Standards. "Falls die Palästinenser-Behörden ihren rechtlichen Verpflichtungen nicht nachkommen und ihre Rechnungen in Zukunft nicht rechtzeitig und zuverlässig bezahlen, können wir unsere Dienste nicht mehr aufrechterhalten", warnte das Auguste Victoria Hospital.

Die Klinikleitung fordert die palästinensischen Behörden auf, zumindest die Hälfte ihrer Schulden sofort zu bezahlen, damit ernsthaft kranke Patienten weiterversorgt werden könnten und sich die Situation stabilisiere. Ansonsten werde die angespannte finanzielle Situation die Versorgung vor allem von Krebspatienten und Kindern gefährden. Der Appell wird unterstützt vom LWB-Generalsekretär Martin Junge. Der 1947 gegründete Lutherische Weltbund repräsentiert mehr als 75,5 Millionen Christen. 1950 wurde das Hospital dem Lutherischen Weltbund in Treuhand-Verwaltung übertragen.

Das Auguste Victoria Hospital liegt auf dem Ölberg in Jerusalem und gehört zu dem 1910 errichteten Gebäudekomplex mit der Himmelfahrtkirche, der nach der letzten deutschen Kaiserin Auguste Viktoria benannt ist. Im Ersten Weltkrieg wurden das Pilger-Hospiz der Auguste-Victoria-Stiftung militärisch besetzt und diente als Hauptquartier der Mandatsmächte im damaligen Palästina. Das Diakoniewerk Kaiserswerth begann 1937, das Hospiz in ein Krankenhaus umzuwandeln. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude als britisches Militärlazarett genutzt. Nach der Gründung Israels 1948 unterstand es zunächst dem Internationalen Roten Kreuz und war Anlaufstelle für palästinensische Flüchtlinge.

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