Rheinische Kirche legt Schuldbekenntnis wegen Missbrauchsfällen ab

Rheinische Kirche legt Schuldbekenntnis wegen Missbrauchsfällen ab

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat wegen Missbrauchsfällen durch Amtsträger ein öffentliches Schuldbekenntnis abgelegt. "Unter dem Dach der Kirche haben Menschen ihren Mitmenschen Gewalt angetan, sie missbraucht und in vielen Fällen so deren weiteres Leben bleibend zerstört", sagte der Vizepräses der zweitgrößten deutschen Landeskirche, Christoph Pistorius, am Sonntag in einem Radiogottesdienstes im niederrheinischen Kaarst. "Unsere Kirche ist schuldig geworden, weil in ihr Täter geschützt wurden."

In Gemeinden und Einrichtungen sei weggeschaut worden, Opfer von sexualisierter Gewalt seien nicht gehört und Kinder und Jugendliche nicht geschützt worden, sagte Pistorius, der als Personalchef für alle Pfarrerinnen und Pfarrer der rheinischen Kirche verantwortlich ist. "Das ist unverzeihlich." Das Thema Missbrauch sei viel zu lange tabu gewesen: "Es ist Zeit, das Schweigen zu beenden und über Schuld offen zu sprechen."

Täter dürften auf keinen Fall durch ihr Amt in der Kirche vor Strafe und Konsequenzen geschützt, sondern müssten zur Rechenschaft gezogen werden, betonte Pistorius in dem Gottesdienst, der auf WDR 5 und auf NDR info übertragen wurde. Dafür stehe die rheinische Kirchenleitung. Er setze sich auch dafür ein, dass Schutz- und Präventionskonzepte gegen sexualisierte Gewalt konsequent und flächendeckend umgesetzt werden.

In der rheinischen Kirche mit ihren 2,5 Millionen Mitgliedern gelten seit 2003 verbindliche Verfahrensregeln für den Umgang mit Verdachtsfällen auf sexuellen Missbrauch durch kirchliche Mitarbeiter. Seither wurden nach Angaben eines Sprechers 29 Fälle gemeldet, in denen disziplinarrechtliche und teils auch strafrechtliche Ermittlungen gegen Pfarrer aufgenommen wurden.

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