Behindertenbeauftragter: Eltern behinderter Kinder mehr unterstützen

Behindertenbeauftragter: Eltern behinderter Kinder mehr unterstützen

Experten fordern von der Politik mehr Unterstützung für Eltern mit behinderten Kindern. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, sagte am Dienstagabend in Berlin, diese Familien hätten "immer noch ein Ausgrenzungs- und Armutsrisiko" und würden zu häufig als Bittsteller wahrgenommen. Es gehe um die Umsetzung von Grundrechten, sagte Dusel. Er wolle in einer Gesellschaft leben, in der keiner mehr wert sei als ein anderer.

Dusel äußerte sich in einer Diskussion vor dem Hintergrund der Entscheidung des höchsten Gremiums im Gesundheitswesen, Bluttests auf das Down-Syndrom bei schwangeren Frauen mit erhöhtem Risiko als Kassenleistung zuzulassen. Der Bundestag hatte über die vorgeburtlichen Bluttests kontrovers debattiert. Zu der Diskussion hatte Kerstin Griese (SPD), Staatssekretärin im Bundessozialministerium, eingeladen.

Der Jurist und gegenwärtige Vorsitzende des Deutschen Behindertenrats, Horst Frehe, machte deutlich, wie Familien mit der Aussicht auf die Geburt eines behinderten Kindes aus seiner Sicht unterstützt werden müssten. "Sie müssen die Chance haben, sich auf das Kind zu freuen", sagte er. Frehe, der selbst maßgeblich zur rechtlichen Gleichstellung behinderter Menschen in Deutschland beigetragen hat, verlangte praktische Lösungen und das Ende von Ausgrenzung. Die Eltern bräuchten Entlastung, etwa durch eine von der Krankenkasse finanzierte Haushaltshilfe nach der Geburt. Das Kind müsse im normalen Kindergarten gefördert werden, nicht in Extra-Einrichtungen, sagte er. Inklusion sei die wirksame Gegenstrategie gegen die Ausgrenzung behinderter Menschen, die in allen Institutionen und im Alltag weiterhin Realität sei.

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, der Theologe Peter Dabrock betonte, die Mehrheitsgesellschaft könne viel von denen lernen, die nicht den Normalitätserwartungen entsprächen. Zur vorgeburtlichen Diagnostik sagte Dabrock, viele Frauen berichteten, sie hätten sich wehren müssen, wenn sie ihr Recht auf Nichtwissen durchsetzen und nicht alle angebotenen Untersuchungen machen lassen wollten.

Die Hamburger Frauenärztin Silke Koppermann vom Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik schilderte, wie sie Schwangere berät, ohne sie unter Druck zu setzen, möglichst viel vorgeburtliche Diagnostik machen zu lassen. Entscheidend sei, die Frauen zu fragen, wie es ihnen gehe und was sie über ihr Kind wissen wollten, sagte sie. Statt von "Risiken" könnten Ärztinnen und Ärzte auch von "Wahrscheinlichkeiten" sprechen. Viele versuchten aber, zusätzliche Selbstzahler-Untersuchungen zu verkaufen, statt ihre Hauptaufgabe darin zu sehen, Frauen gut durch die Schwangerschaft zu begleiten, kritisierte Koppermann.

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