Amnesty wirft türkischer Armee Kriegsverbrechen in Syrien vor

Amnesty wirft türkischer Armee Kriegsverbrechen in Syrien vor
Unicef: Trotz Feuerpause in Syrien sind Zehntausende Kinder in Gefahr
Die türkische Militäroffensive gegen kurdische Milizen in Nordost-Syrien hat verheerende Auswirkungen auf Zivilisten. Besonders leiden die Kinder.

Amnesty International hat der türkischen Armee und verbündeten Milizen schwere Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen in Syrien vorgeworfen. Bei Angriffen auf Wohngebiete im Nordosten des Bürgerkriegslandes seien Zivilisten verwundet und getötet worden, teilte Amnesty International am Freitag in Berlin mit. Die türkische Militäroffensive gegen kurdische Milizen habe verheerende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Menschen würden gezwungen, aus ihren Häusern zu fliehen und lebten in ständiger Angst vor wahllosen Bombardements, Entführungen und Tötungen, erklärte Kumi Naidoo, internationaler Generalsekretär von Amnesty International.

Nach Einschätzung des Kinderhilfswerks Unicef sind trotz der angekündigten fünftägigen Feuerpause weiter Zehntausende Kinder in der Region in Gefahr. Die Türkei hatte am Donnerstag auf Drängen der USA einer Feuerpause zugestimmt, die laut Medienberichten jedoch sehr brüchig ist. Das Deutsche Komitee für Unicef erklärte, dass viele Kinder schlecht ernährt, von Krankheiten bedroht und erschöpft seien. Vor dem heraufziehenden Winter müssten sie mit warmer Kleidung versorgt werden. Rund 166.000 Menschen sind laut den UN seit Beginn der türkischen Militäroffensive in der vergangenen Woche geflohen - darunter rund 70.000 Kinder.

Die Vertriebenen suchten Schutz in Lagern, öffentlichen Gebäuden oder bei Freunden und Verwandten, teilte ein Sprecher des Flüchtlingshilfswerks UNHCR mit. Zudem seien Hunderte Bewohner des umkämpften Gebiets in den vergangenen vier Tagen in den benachbarten Irak geflohen. Das Welternährungsprogramm versorgte in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben rund 170.000 Menschen in Nordost-Syrien mit Lebensmitteln. Eine Ausweitung der Hilfen ist geplant.

In den Kampfgebieten haben nach Aussage des Mainzer Arztes Gerhard Trabert 90 Prozent der Krankenhäuser ihre Arbeit eingestellt. Auch eine von Traberts Verein "Armut und Gesundheit" mit medizinischem Gerät und Spenden unterstützte Klinik in der umkämpften Stadt Tal Abyad (Gire Sipi) sei geschlossen worden.

Die Türkei startete die Invasion am Mittwoch voriger Woche, nachdem die USA den Abzug ihrer Truppen aus der Region angekündigt hatten. Die US-Streitkräfte und kurdische Einheiten waren gemeinsam gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) vorgegangen. Die Türkei betrachtet die kurdischen Kräfte im Nordosten Syriens als Terroristen, die bekämpft werden müssen.

Im Zuge des Syrien-Konflikts hatten kurdische Milizen die Kontrolle über das Gebiet gewonnen. Der Konflikt hatte 2011 mit Protesten gegen Syriens Machthaber Baschar al-Assad begonnen. Hunderttausende Menschen wurden bislang getötet, Millionen Menschen sind innerhalb des Landes oder im Ausland auf der Flucht.

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