DGB-Vorstand Körzell: Wohlstand weiter extrem ungleich verteilt

DGB-Vorstand Körzell: Wohlstand weiter extrem ungleich verteilt

DGB-Vorstand Stefan Körzell hat die Politik aufgefordert, mehr gegen die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen zu tun. Er sagte am Donnerstag zur Eröffnung der Verteilungskonferenz "Gerechter ist besser" von DGB und Hans-Böckler-Stiftung in Berlin, der Wohlstand sei nach wie vor extrem ungleich verteilt, "Tendenz weiter steigend".

Nach dem aktuellen DGB-Verteilungsbericht verfügen zehn Prozent der Bevölkerung über fast zwei Drittel (64 Prozent) des gesamten Nettovermögens. Hingegen besitzen 30 Prozent der Erwachsenen gar kein Vermögen oder haben Schulden. Angesichts dieser Ergebnisse müssten Reiche und Vermögende stärker in die Verantwortung genommen werden, sagte Körzell und erneuerte die Forderung des DGB nach einer Wiedereinführung der Erbschafts- und Vermögenssteuer.

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Michael Hüther, erklärte hingegen, weder die Armutsrisikoquote noch die Ungleichheit seien in den zurückliegenden Jahren signifikant gestiegen. Die Spreizung der Einkommen und Vermögen habe in den 1990er Jahren deutlich zugenommen, bewege sich aber etwa seit Mitte der 2000er Jahre auf einem ähnlichen Niveau. Ungleichheit sei auch keine Erklärung für den zunehmenden Rechtspopulismus, sagte Hüther. Vielmehr sei festzustellen, dass die AfD auch in wirtschaftlich starken Regionen hohe Wahlergebnisse erziele.

Der Ökonom Peter Bofinger, langjähriges Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, sagte hingegen, wenn Menschen nicht mehr erlebten, dass vom Wohlstand auch bei ihnen selbst etwas ankomme, begännen sie, das politische System in Frage zu stellen. Er verwies darauf, dass die Löhne erst in jüngster Zeit wieder steigen. Bofinger forderte eine stärkere Erhöhung des Mindestlohns, damit die unteren Einkommensgruppen nicht noch weiter abgehängt werden.

Laut dem kürzlich veröffentlichten Verteilungsbericht der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sind die Einkommen so ungleich verteilt wie nie. Die Spreizung hat demnach trotz der guten wirtschaftlichen Konjunktur zugenommen, wenn sich auch die Entwicklung verlangsamt hat. Die 40 Prozent der ärmsten Haushalte sind weiter zurückgefallen, auch gegenüber der Mittelschicht, die aktuell von einer guten Arbeitsmarktlage und Lohnsteigerungen profitiert.

Demgegenüber führt das IW die weiter steigende Ungleichheit bei den Einkommens- und Vermögensverhältnissen auf Effekte durch die Zuwanderung zurück. Klammere man die Geflüchteten aus den Berechnungen aus, ergäben sich keine neuen Höchstwerte zur ungleichen Verteilung der Einkommen, erklärte das Institut als Reaktion auf den WSI-Verteilungsbericht.

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