Religionsunterricht für Minderheiten stärken?

Religionsunterricht für Minderheiten stärken?
Die Bundesländer sollten bei der künftigen Gestaltung des Religionsunterrichts in Schulen nach Auffassung des evangelischen Theologen Andreas Kubik-Boltres die Minderheiten stärken. Er halte es für sinnvoll, den jüdischen und islamischen Religionsunterricht sowie den Weltanschauungsunterricht für Humanisten weiter auszubauen, sagte Kubik-Boltres in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
27.09.2019
Martina Schwager
epd

Bis eine Kooperation mit dem christlichen Religionsunterricht, wie sie derzeit in einigen Kreisen bereits diskutiert werde, wirklich auf Augenhöhe möglich sei, könnten noch 20 Jahre ins Land gehen: "Interreligiöse Kooperation ist ein interessantes Modell, hat aber die Tendenz, die Kleinen unterzubuttern."

Minderheiten sollten sich zunächst mit ihrem eigenen Unterricht etablieren dürfen und nicht innerhalb dieses Prozesses von den Christen vereinnahmt werden, sagte der Professor für evangelische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück. Am Wochenende hatten sich dort während einer Tagung jüdische, muslimische und christliche Theologen, Vertreter humanistischer Verbände sowie Juristen über die Zukunft religiöser Bildung an öffentlichen Schulen ausgetauscht.

Christen führten als Vorbild gerne den gemeinsamen Unterricht für katholische und evangelische Schüler an, der an vielen Schulen erfolgreich praktiziert werde, sagte Kubik-Boltres. Für Kooperationen spreche zudem, dass die Zahl der Kinder jüdischen und muslimischen Glaubens und derer humanistischer Weltanschauung für einen eigenen Unterricht oft nicht ausreiche.

Dennoch sollten Katholiken und Protestanten sensibler mit den Ängsten der kleineren Weltanschauungsgruppen umgehen und ihnen nicht die Begeisterung über erfolgreich laufende eigene Kooperationsmodelle überstülpen. Zudem seien Schulen schon jetzt kreativ im Umgang mit religiöser Vielfalt und praktizierten etwa in Absprache mit jüdischen und muslimischen Gemeinden vor Ort gemischt-religiösen Unterricht.

Vor allem die Humanisten fühlen sich laut Kubik-Boltres benachteiligt. Nach dem Grundgesetz hätten sie ebenso wie Muslime und Juden das Recht auf einen eigenen weltanschaulichen Unterricht. Mit dem sogenannten Ersatzfach "Werte und Normen" könnten sie sich nicht identifizieren, weil sie dessen Inhalte nicht mitbestimmen könnten. Lediglich an einigen Schulen in Berlin werde das Fach "Humanistische Lebenskunde" angeboten. Eine andere Gruppe der Humanisten fordere die Abschaffung jeglichen Religionsunterrichts zugunsten eines allgemeinen Faches "Ethik", was jedoch mit dem Grundgesetz nicht vereinbar wäre.

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