Prediger, Präsident und Friedensnobelpreisträger

Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter.

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Von 1977 bis 1981 war Jimmy Carter Präsident der Vereinigten Statten von Amerika.

Prediger, Präsident und Friedensnobelpreisträger
Der frühere US-Präsident Jimmy Carter wird 95 Jahre alt
Jimmy Carter gilt als bodenständig, bescheiden und bibelfest. Mit deutlichen Worten äußert sich der einstige US-Präsident zu Klimaschutz, Weltfrieden und Menschenrechten. Das macht ihn bis heute beliebt.

Frieden, Gerechtigkeit und die Klimakrise: Es sind die drängenden Fragen der Menschheit, die den ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter auch im hohen Alter beschäftigen. Erst kürzlich forderte der 94 -Jährige US-Präsident Donald Trump dazu auf, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen. Auch was Frieden und Menschenrechte angehe, sollten die USA führend sein, mahnt der demokratische Politiker immer wieder mit freundlichen, aber deutlichen Worten. Am 1. Oktober feiert der Friedensnobelpreisträger und bekennende Christ seinen 95. Geburtstag.

Die Unterschiede sind deutlich: Während heute der Republikaner Trump die menschenverursachte Erderwärmung anzweifelt, ließ der Demokrat James Earl Carter bereits während seiner Amtszeit von 1977-1981 eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Weißen Hauses aufstellen. In seinem 700-Seelen-Heimort Plains, Georgia, erzeugt eine Solaranlage auf Carters frührer Erdnussfarm die Hälfte des im Ort benötigten Stroms.

Bibel als Orientierung

Der ehemalige Nuklearingenieur, U-Boot-Offizier und Erdnussfarmer Carter stammt aus einfachen Verhältnissen, nach Ende seiner Amtszeit zeigte er sich bodenständig und bescheiden. Er wuchs ohne Elektrizität und fließendes Wasser auf der Farm seiner Eltern in den Südstaaten der USA auf, in Plains in Georgia. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg heirate er seine Frau Rosalynn. Das Ehepaar lebt im gemeinsamen Heimatort Plains in einem kleinen Haus. Das gepanzerte Fahrzeug seiner Leibwächter sei teurer als Carters Haus, schrieb die Washington Post.

Sein breites Grinsen und sein Südstaatenakzent machten ihn berühmt. Zunächst als hinterwäldlerischer Erdnussfarmer verspottet, gewann der Demokrat Carter die US-Präsidentschaftswahl 1976 gegen den amtierenden Republikaner Gerald Ford. Er war maßgeblich an dem Friedensabkommen von Camp David zwischen Israel und Ägypten 1978 beteiligt. Für seinen Einsatz für Völkerverständigung, Demokratie und Menschenrechte erhielt er 2002 den Friedensnobelpreis.

Für Carter als gläubigen Christen bietet die Bibel in Politik und Privatleben Orientierung. Als wichtigstes Prinzip bezeichnet er das Bibelwort "Du sollst nicht lügen". Mit diesem Anspruch trat er als 39. Präsident der Vereinigten Staaten an. In seine Amtszeit fielen Öl- und Wirtschaftskrise und die gescheiterte Befreiungsaktion von 52 amerikanischen Geiseln in Teheran. 1981 verlor er die Wahl gegen Ronald Reagan.

Als Ex-Präsident gründete er 1982 sein "Carter Center", das sich für die Eindämmung internationaler Konflikte, die Stärkung von Demokratie und für die Bekämpfung tropischer Krankheiten in Entwicklungsländern einsetzt.

Immer wieder äußert sich der geistig äußerst rege Carter, der einmal im Monat an der Emory-Universität (Atlanta) lehrt, zur aktuellen Politik. Die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich, Rassismus und Islamophobie beunruhigen ihn. Erst Mitte September bezeichnete er als "Desaster" wenn Trump wiedergewählt würde. Dieser sei unrechtmäßig durch Russlands Hilfe ins Amt gekommen. Trotzdem bete er regelmäßig für Trump.

Krieg ist für den Weltkriegs-Veteran nur als letztes Mittel zulässig. Statt Geld für Kriege auszugeben, sollten die USA dies lieber in Schulen und Infrastruktur stecken, wie dies zum Beispiel China in den letzten 40 Jahren getan habe, seit Carter die Beziehungen zwischen beiden Ländern 1979 normalisierte.

Gegen Ausgrenzung von Frauen und Homosexuellen

Auch bei kirchlichen Streitfragen meldet sich der Laienprediger zu Wort. Er kritisiert Kirchenleiter, die Frauen und Homosexuelle ausgrenzen. Dass Frauen nicht als Priesterinnen qualifiziert sein sollen, widerspricht seinem Verständnis von Jesu Lehre. Daher verließ er nach Ende seiner Amtszeit gemeinsam mit seiner Frau Rosalynn die konservativen Südlichen Baptisten.

Der Vater von einer Tochter und drei Söhnen leitet regelmäßig die Sonntagsschule der kleinen Maranatha Baptist Church. Ihn haben Theologen wie Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer, Jürgen Moltmann und Hans Küng geprägt. Als Buchautor hat Carter 32 Bücher geschrieben, auch über seinen christlichen Glauben.

Gefragt nach dem Geheimnis seiner mehr als 73-jährigen Ehe, sagt er, es sei wichtig dem Partner Freiraum zu lassen und Konflikte schnell auszuräumen. Mit Dankbarkeit und Freude blicke er auf sein Leben zurück. Auch wenn nach einer überstanden Krebserkrankung seine Kraft weniger werde, lege er sein Schicksal in Gottes Hand, sagt er.

Es sind Carters Eigenschaften wie Aufrichtigkeit und Klugheit, Freundlichkeit und Humor, nach denen sich viele Amerikaner heutzutage sehnen. In den USA werden sogar T-Shirts mit dem Aufdruck "Carter 2020" angeboten. Zwar erlaubt es ihm die US-Verfassung noch einmal für die Präsidentschaft anzutreten - aber, so sagte er lachend, das überlasse er Jüngeren.

Die Hände in den Schoß zu legen ist seine Sache nicht. Trotz Hüftoperation im Frühjahr will er im Oktober wieder wortwörtlich den Hammer schwingen und mithelfen beim Bau von Häusern für einkommensschwache Familien - getreu seinem (biblischen) Motto: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst".

Jimmy Carter: "Faith. A Journey for All". Simon and Schuster (2018).