Wissenschaftler kritisieren Klimapaket

Wissenschaftler kritisieren Klimapaket

Das Klimapaket der Bundesregierung stößt auch bei Experten auf Enttäuschung und Kritik. "Mein Urteil fällt vernichtend aus", sagte der Klimaforscher Mojib Latif der ARD. "Das ist fast eine Nullnummer." Mit den von der großen Koalition angepeilten "Mini-Schritten" könnten die Klimaziele nicht erreicht werden, erklärte der Kieler Wissenschaftler.

Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf twitterte am Freitagabend: "#NoMorePillepalle versprochen, Pillepalle abgeliefert." Es sei, "als ob der Arzt bei einer akuten und lebensgefährlichen Infektion eine Kur mit Antibiotika verschreibt, ab sofort 5 Tabletten pro Woche, dann steigern. Und du tust erstmal eine Woche gar nichts, dann nimmst du eine Tablette in der Woche, und in der nächsten Woche 2".

Der Wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), Georg Teutsch, betonte, es sei höchste Zeit für ein Klimaschutzprogramm, denn Deutschland hinke wie viele andere Industrieländer hinterher. Wie die vorgeschlagenen Maßnahmen im Einzelnen wirkten, sei noch nicht absehbar. Er sei sich aber ziemlich sicher, dass die vorgesehene CO2-Mindestbepreisung nicht die erwartete Emissionsreduzierung bringen werde.

Die versprochene jährliche Nachsteuerung bei den Maßnahmen müsse konsequent durchgehalten werden, forderte Teutsch in einer Mitteilung des UFZ. "Jedes Jahr ist Kassensturz!", erklärte er. "Dass die 2015 in Paris vereinbarten Klimaschutzziele nicht zum Null-Tarif zu haben sind, muss jedem klar sein. Wir müssen jeden einzelnen Wirtschaftssektor und jeden Lebensbereich hinterfragen."

Das Klimakabinett der Bundesregierung hatte sein Eckpunkte-Programm am Freitag vorgestellt. Dafür veranschlagt die Koalition mehr als 54 Milliarden Euro bis 2023. Geplant sind unter anderem die Einführung eines CO2-Preises, der fossile Brenn- und Kraftstoffe wie Heizöl, Benzin und Diesel teurer macht, sowie finanzielle Anreize für umweltfreundliches Verhalten.

epd svo

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