Religionsvertreter wollen Klimaschutz und Frauenrechte stärken

Religionsvertreter wollen Klimaschutz und Frauenrechte stärken
Interreligiöses Gipfeltreffen endet in Lindau mit Abschlusserklärung
Mehr 900 religiöse Repräsentanten haben mehrere Tage im Bodensee über aktuelle Konflikte beraten, darunter die Lage der Rohingya-Flüchtlinge in Myanmar und Bangladesch. In diesem Bereich brachten die Konsultationen Fortschritte.
Deutschland spricht 2019

Mit politischen Forderungen zu Klimaschutz, Frieden und Frauenrechten ist die 10. Weltversammlung von "Religions for Peace" in Lindau am Freitag zu Ende gegangen. Die neu gewählte Generalsekretärin von "Religions for Peace", Azza Karam, sieht die Bedeutung des Treffens vor allem im Zusammenwirken der mehr als 900 religiösen Repräsentanten. "Wir haben uns dazu verpflichtet, an gemeinsamen Zielen zu arbeiten. Wir sind zu einer Bewegung geworden", sagte die niederländische Religionswissenschaftlerin am Freitag vor Journalisten. Vertreter aller Weltreligionen hatten seit Dienstag über aktuelle Konflikte beraten.

Die Teilnehmer der Versammlung erklärten, das Bewusstsein ihrer Gemeinschaften für den Schutz der Regenwälder schärfen zu wollen. "Wir wollen einen ökologisch ausgewogenen und nachhaltigen Lebensstil praktizieren und uns für Regierungsmaßnahmen zum Schutz der Urwälder einsetzen", heißt es in der Abschlusserklärung. Dazu gehöre auch das Engagement für die Rechte indigener Völker.

Um Konflikte zu entschärfen, will die religiöse Nicht-Regierungsorganisation ihre Mitglieder im Konfliktmanagement schulen. "Friedenserziehung von der frühen Kindheit bis zum Erwachsenenalter soll gewalttätige Konflikte verhindern", heißt es in dem vierseitigen Dokument. Weiter bekennen sich die Vertreter dazu, die Karrieren von Frauen in Institutionen unterstützen zu wollen. Zugleich sollen Frauen als Vermittlerinnen in Konflikten unterstützt werden.

Zur Situation der Rohingya-Flüchtlinge gab es mehrtätige Beratungen zwischen religiösen Führern aus dem buddhistisch geprägten Myanmar und Bangladesch. Denzil Abel von "Religions of Peace" in Myanmar sagte, in den Konsultationen sei es gelungen "Irritationen" aufzulösen. "Wir wollen noch weitere, tiefergehende Beratungen führen", erklärte er.

Vor zwei Jahren waren Hunderttausende muslimische Rohingya vor Myanmars Armee nach Bangladesch geflüchtet, wo sie seitdem ohne Perspektive ausharren. Die Vertreter äußerten sich nicht zu Ergebnissen aus weiteren nicht-öffentlichen Beratungen zwischen Religionsführern aus Krisenregionen wie Nord- und Südkorea oder dem Kongo. Auch der islamistische Terrorismus im Mittleren Osten und Afrika war Thema der mehrtägigen Beratungen.

Die evangelische Theologin Margot Käßmann wird zukünftig eine wichtige Rolle bei Entscheidungen des religiösen Welt-Gipfels übernehmen, teilte eine Sprecherin der Organisation mit. Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist in den aus 80 Mitgliedern bestehenden "World Council" gewählt worden. Der "World Council" ist das höchste Beschlussgremium von "Religion for Peace".

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte die Konferenz am Dienstag eröffnet. Steinmeier betonte, die gemeinsame Botschaft von Lindau müsse sein: "Religion darf niemals Rechtfertigung von Hass und Gewalt sein."

Die Weltversammlung fand erstmals in Deutschland statt, sie tritt etwa alle fünf Jahre zusammen. Teilnehmer berieten, teils hinter verschlossenen Türen, über Konfliktprävention und "gerechte Gesellschaften".

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